Dies ist eine Veröffentlichung in der Rubrik Piratengedanken.

Piratengedanken sind Berichte, Kommentare und Meinungen unserer Mitglieder. Diese Einzelmeinungen sind nicht zwangsläufig Parteimeinung!

Wenn Dir dieser Gedanke gefällt, klicke unten auf den Stern. Sobald er 10 Sterne hat, wird er auf der Startseite angezeigt.

Das Australische Modell - und wie es uns NICHT rettet

Da bin ich doch gestern im Hessischen Landtag gewesen und konnte mir live ansehen und anhören, was das denn nun eigentlich ist, was uns retten und die Mineralölkonzerne endlich stoppen soll. Diese Eindrücke gründen also aus dem Besuch unseres Landtages, aber ich wette, das läßt sich 1:1 auf die Bundesebene übertragen. Außer vielleicht, daß hier die Rhetoriker doch noch ein Stück gewiefter sind und es eventuell besser verpacken können. Vielleicht aber auch nicht. Im Thema bleibt es sich gleich:

Die Regierungsparteien haben da eine grandiose Idee auf Bundesebene, für die sie auch in Hessen werben. Da nämlich die  Benzinpreise so hoch sind, keimt auch in CDU & FDP der Verdacht, daß  die bösen Mineralölkonzerne daran schuld sind, weil sie keinen  Wettbewerb untereinander betreiben. Und sie gedenken, dem etwas  entgegenzusetzen: Das „Australische Modell“ nämlich. Da hat nämlich  Australien eine tolle Idee gehabt: Alle Tankstellen melden jeden Tag  ihre Preise. Die dürfen dann 24 Stunden lang nicht mehr geändert werden  und werden im Internet veröffentlicht. Der Verbraucher kann dann ganz  bequem jeden Tag planen, wo er tanken gehen wird. Das kann er nämlich  jetzt nicht, da Tankstellen nahezu stündlich ihre Preise ändern. Ah,  aber dann, dann wird sich der Verbraucher aussuchen, wo er tankt und es  wird ein Wettbewerb zwischen den Konzernen ausbrechen und der wird dafür  sorgen, daß die Preise wieder in Ordnung gehen.

Mal ehrlich: Als ich noch jeden Tag mit dem Auto gependelt bin, habe ich eines ganz sicher nicht getan: Die Tagesplanung, wohin ich zum Tanken fahre. Aber DAS ist bei diesem Entwurf gar nicht das Entscheidende, was ich anprangern will. Vielleicht gibt es ja wirklich Menschen in der BRD, die das tun.
Soweit also erstmal die tolle Idee. Die SPD sagt dazu dann, daß das „Australische Modell“ eigentlich  das „Westaustralische Modell“ heißt, was daran liegt, daß Australien das  erst mal nur in Westaustralien getestet hat. Dort hat es nur leider zu  einer immensen Verteuerung der Benzinpreise geführt, weil die  Mineralölkonzerne fluchs mal ihre Preise erhöht haben, so daß Australien  es lieber gelassen hat, das Prinzip auf das ganze Land auszurollen.
Schön zu hören. Um so unverständlicher, wie man es als unsere Rettung feiern kann. Doch natürlich lausche ich weiter.

Die  CDU sagt daraufhin, daß Australien einfach nicht mit Deutschland zu  vergleichen ist, weil die mehr Fläche pro Einwohner haben und die  genannte Misere außerdem daran liegt, daß es als Modell versucht wurde,  statt es gleich auf das ganze Land auszurollen. Das Problem sei, daß es ein Modellversuch war und nicht gleich angewendet wurde. Da hätten die Konzerne  nämlich extra die Preise erhöht, um abzuschrecken und das Ausrollen auf  das ganze Land zu verhindern. Wenn man es gleich auf’s ganze Land  ausrollt, fällt das ja weg. Dann haben die Konzerne keine Chance.

Selbst dem unbedarftesten Zuhörer springt sofort die Logik ins Gesicht mit der Frage: Was zur Hölle soll die genannten Konzerne dann davon abhalten, das auf Bundesebene nicht einfach genauso zu machen? Ganz davon abgesehen, daß Modellversuche nun einmal das sind: Ausprobieren, ob etwas funktioniert. Das ist etwas Gutes. Da kann man nämlich ablesen, welche Auswirkungen sich ergeben. Mitnichten kann man aus einem Mißerfolg einfach schließen, daß das auf der großen Ebene einfach so funktioniert. Aber Mißerfolge gibt es in der Politik nicht. Da wird alles als Erfolg verkauft, was Beine hat. Bei Kritik hinterher beruft man sich einfach auf die Vorgängerregierung, die etwas versaut hat. Aber hören wir weiter zu:

SPD  & Linke meinen, das wäre der größte Irrsinn, den sie je gehört  haben und daß die Monopolkommission empfohlen hätte, die  Mineralölkonzerne zu entflechten und daß das wesentlich zielführender  sei. Die Kartellbehörde habe außerdem schon zugegeben, daß das Modell  bisher noch nirgendwo erfolgreich gewesen ist. Die CDU wirft der SPD  daraufhin vor, daß sie nicht bei mehr SPDen in anderen Ländern für die  Entflechtung geworben hätte, sonst wären wir da ja schon weiter.

Monopole auflösen, dann gibt es keine blinden Absprachen mehr. Klingt auch für mich logischer, wenn es um fehlenden Wettbewerb und blinde Absprachen geht. Weshalb nun aber die SPD (der ich im Übrigen genausowenig zutraue, das durchzuziehen) dafür zuständig sein soll, erschließt sich mir in diesem Kontext allerdings nicht. Die Linke weist dann noch auf die Preiserhöhung dank Rohölspekulation an den Börsen hin, aber da hört auch schon keiner mehr zu. Ist ja schließlich nur der Haufen linker Spinner, der das sagt. Außerdem ist der Handlungsbedarf hier etwas, an das man sich traditionell nicht heranwagen will.
Abschließend  stellt die CDU fest, daß Transparenz bedeutet, daß der Verbraucher  morgen sehen kann, wie hoch die Benzinpreise sind.

Komisch. Ich dachte immer, Transparenz bedeutet, der Verbraucher kann sehen, wie sich diese  Kosten zusammensetzen und wie sie zustande kommen.
Aber wen interessiert das, wenn die BILD in die Welt trötet, daß uns endlich die Rettung bevorsteht?

Ich bin offensichtlich Phantast -  und die CDU die Partei, die endlich erkannt hat, wo das Potential des Internets liegt.


Piratengedanken von Judith Seipel-Rotter

Noch keine Bewertungen vorhanden