Allgemein

Vom Freibeuter zum Pirat Teil II – Der Kurs wird berechnet

Joachim S. Mueller

Wenn ihr diesen Blog-Beitrag lest, wisst ihr vielleicht schon, dass ich nicht auf dem kürzesten Weg nach Neuland gekommen bin und manchmal holen mich die Irrungen der Anfänge unversehens wieder ein. So kam am Horizont wieder die „Abkürzungsflotte“ in Sicht und ich drehte eilig bei, denn insbesondere mit den Begriffen BPT und LPT verbinde ich doch eher das Abkürzungslied „MfG“[1] von den Fantastischen Vier[2] von 1999. Es heißt jedoch „Bundesparteitag“ und „Landesparteitag“. Allerdings wurde ich unnachgiebig verfolgt. Zum Glück gibt es keinen „Schiffsblitzer“, sonst hätte ich bestimmt schon den ein oder anderen Strafzettel wegen überhöhter Fahrt über Grund kassiert.

Doch damit nicht genug. Je näher dieser unvermeidliche BPT 19.2 rückte, desto mehr musste ich mich damit auseinandersetzen, ob ich dort einen Rapport vor versammelter Mannschaft als junger Piratenkadett zu dem gemeinsamen Projekt mit meinem Taunus-Piraten erstatte. Derjenige, der uns das ganze Malheur eingebrockt hatte, wurde kurzerhand mitverpflichtet. Es ist ein wundervolles Unikum der Piraten, dass der erste Vorsitzende einer Partei einfachen Mitgliedern ein moralisches Back-up gibt. Nachdem dieses Arrangement getroffen war und ich gelassener den Ereignissen am Horizont entgegenblicken konnte, wurde plötzlich über einen Initiationsritus an der „AnfechtBar“ gesprochen. „Anfechtbar“ – ein Wort, das ich bisher nur aus meinen Jura-Vorlesungen kannte, denn „anfechtbar“ sind alle Rechtsgeschäfte, die wegen Irrtums, arglistiger Täuschung oder unter widerrechtlicher Drohung abgeschlossen werden.[3] Im Nachhinein wurde mir dann klar, dass es sich bei der „AnfechtBar“ um die Whiskeyfreunde handelt, die sich an jedem BPT treffen, um stilvoll selbst mitgebrachten Whiskey zu trinken.

Nun stand ich da, am ersten Tag des BPT 19.2, bei der Akkreditierung und wurde mit den Worten „So schick muss man hier aber nicht angezogen sein!“ begrüßt. Ich schaute meinen Taunus-Piraten an, der im Jackett neben mir stand, und entgegnete: „Mein Kleiderschrank hat heute Morgen nichts anderes hergegeben.“ Laut FAZ war der Dresscode dann durch die Bank weg „Schlabberlook“ (worüber sich meiner Meinung nach streiten lässt).[4] Na gut, akkreditieren durften wir uns auch mit dem feinen Zwirn, trotz des fehlenden Mitgliederausweises (an dieser Stelle erlaube ich mir den Verweis auf die „Causa P-Shop“[5]), aber mit gültigem amtlichen Lichtbildausweis. Wir bekamen ein Bändchen, das duschfest war, weil es während des Wochenendes nicht ausgezogen werden durfte, und trugen voller Stolz unsere Stimmkarten vor uns her in den Versammlungsraum.

Aufregung pur! Über 200 PIRATEN an einem Fleck, deren Schiffskompasse hervorragend funktionieren mussten, waren sie doch aus allen Landesverbänden erfolgreich nach Hessen angereist. Mein Mut sank, vor all diesen Leuten sollte ich sprechen? „Ok, Luzi, da musst du jetzt durch“, zwitscherte mir mein Beo ins Ohr[6]. „Zum Glück bist du „overdressed“ und fühlst dich damit wohl. Das gibt dir Sicherheit.“ Gut, vor dem Vortrag gab es nun kein Entkommen mehr und am Ende wurden wir herzlich von der PIRATEN-Familie willkommen geheißen. Im Anschluss wurde mir mein Seesack mit To-Dos ordentlich vollgepackt und mir noch mehr verschiedene Routen durch das Neuland erläutert. Zwischendurch sollte ich auch eine Flaschenpost aufgeben, damit jeder weiß, dass ich noch unterwegs bin.

Ich habe gelernt: Nach dem BPT ist vor dem BPT und es gibt nicht die beste Route nach Neuland, es geht mal hier entlang und dann wieder ganz anders herum und doch fühlt man sich zu Hause und ist irgendwie angekommen. Schon geht es auf das Jahresende zu und plötzlich, völlig unerwartet, wird bei den PIRATEN nicht „gewichtelt“, sondern „gepichtelt“. Entgegen der Erwartung hat das aber nichts mit „Picheln“[7] zu tun, wie man es aus dem Rheinland kennt, sondern es ist wirklich nur „Piratiges wICHTELN“.

Dieses Jahr mit den PIRATEN hat mir viel Freude bereitet, hat mich Neues gelehrt und ließ mich auf viele tolle Menschen treffen: An dieser Stelle ein großes Danke an alle PIRATEN, die mir nach wie vor hervorragend helfen, den Kurs zu halten!

[1] https://www.youtube.com/watch?v=uUV3KvnvT-w Zugriff am 25.11.2019
[2] https://diefantastischenvier.de/  Zugriff am 25.11.2019
[3] http://www.betriebswirtschaft-lernen.net/erklaerung/rechtsgeschaefte-form-nichtigkeit-und-anfechtbarkeit/ Zugriff am 21.11.2019
[4] https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/wie-die-piratenpartei-wieder-erfolgreich-werden-will-16485284.html Zugriff am 25.11.2019
[5] https://flaschenpost.piratenpartei.de/2019/11/06/die-aktuelle-lage-des-pshop/ Zugriff am 25.11.2019
[6] https://www.piratenpartei-hessen.de/blog/2019/10/31/vom-freibeuter-zum-pirat-wie-ich-meinen-weg-ohne-navi-nach-neuland-fand/ Zugriff am 04.12.2019
[7] https://www.duden.de/rechtschreibung/picheln Zugriff 25.11.2019

Beitragsbild: Joachim S. Müller (CC by-sa)

0 Kommentare zu “Vom Freibeuter zum Pirat Teil II – Der Kurs wird berechnet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

31 − 30 =