Kaum war Flug 253 sicher auf dem Boden gelandet, wurde wieder der Ruf nach "Nacktscannern" laut. Die totale Sicherheit im Luftverkehr sollen sie bringen. Zweifel an der Verhältnismäßigkeit durch die erzwungenen Entblößung werden, wie sooft, zerstreut.
Sollten die Ganzkörperscanner, wie die Geräte mittlerweile euphemistisch genannt werden, tatsächlich zum Einsatz kommen, so sind vor allem zwei Dinge sicher: Ein massiver Eingriff in die Privatsphäre und Würde der Passagiere, sowie eine ordentliche Gewinnmarge der Hersteller.
"Betrachtet man die versuchten Anschläge auf Flugzeuge der letzten Jahre, so werden vor allem zwei Dinge offensichtlich: Sie wurden absolut amateurhaft durchgeführt und erfreulicherweise kam dabei kein Mensch zu schaden. Massiv zu Schaden kam dagegen unsere Freiheit," so Ralf Praschak, stellvertretender Vorsitzender der Piratenpartei Hessen.
Nach dem gescheiterten Flüssigsprengstoff-Anschlag, wurde die Mitnahme von Flüssigkeiten drastisch eingeschränkt, obwohl von Expertenseite massive Zweifel geäußert wurden, dass der Sprengstoff an Bord hätte scharf gemacht werden können. Davon profitiert haben die Läden der Sicherheitszonen und die Abfallentsorger, die seitdem jeden Tag tonnenweise Lebensmittel und andere Flüssigkeiten vernichten.
Erst nach einem Aufschrei der Empörung in der Öffentlichkeit ruderte damals die gesamte Regierung mit ihrer Forderung nach Einsatz von Nacktscannern zurück und versprach, niemals einem so gravierenden Eingriff in die Grundrechte vornehmen zu wollen. "Gewäsch von Gestern?" fragt sich Praschak. "Würden Nacktscanner an allen Flughäfen weltweit eingesetzt werden, könnte ein Terrorist mit im Sicherheitsbereich gekauftem Material eine Explosion an Bord eines Flugzeuges wohl immer noch herbeiführen. Dass dies nicht täglich passiert, demonstriert mehr als ausreichend, dass die Gefahr von Terroranschlägen auf Flugzeuge deutlich geringer ist, als uns diverse Geschäftemacher erklären wollen!"
"Es kann nicht sein, dass bei jedem versuchten Angriff auf unsere Sicherheit ein Stück Freiheit geopfert wird. Denn eines ist sicher: Sobald wir alle in permanenter Angst leben und uns nicht mehr aus dem Haus trauen, dann - und nur dann - hat der Terrorismus gewonnen," schließt Praschak ab.
Kommentare
Was heißt schon "Nacktscanner"?
Soweit ich das mitbekommen habe, geht es ja um die Einführung von Körperscannern, welche den Betroffenen nur schemenhaft abbilden bzw. die Auswertung komplett von Computern übernehmen lassen, sodass kein menschliches Auge die "nackten" Körper zu sehen bekommt.
In wiefern würden solche Scanner denn die Privatsphäre des Betroffenen angreifen?
Das Einzige, was mir dabei einfallen würde, wären körperinterne Objekte wie Herzschrittmacher, die man jedoch auch bei Metalldetektoren angeben muss.
Die Einführung von Körperscannern hat sicherlich einige Schwächen: fehlende Langzeitstudien betreffend der Auswirkungen von Terahertzwellen, Fragwürdigkeit des "Sicherheitsgewinns", etc., aber die Privatsphäre gehört bei den von mir erwähnten Körperscannern wohl nicht zu den Problemen.
Na, "nackt" eben
Technisch gesehen kann der Scanner naemlich alles zeigen! "Entschaerft" wird erst hinterher. Es braucht nicht viel Phantasie, sich vorzustellen wie das urspruengliche Bild abgezweigt und irgendwo gespeichert wird um sich daran aufzugeilen.
Da wird es dann schoene Veroeffentlichungen von den huebscheren Passagieren und von Celebrities geben. Wobei letztere vermutlich an den Scannern vorbeigeschleust werden. Ich kann mir auch nicht recht vorstellen, dass unsere Parlamentarier durch den Scanner schreiten...
Ganz davon abgesehen kostet auch der Scanner wieder kostbare Lebenszeit von Millionen Menschen. Irgendwann ging es auch mal ohne Kontrollen. Gibt es eine Statistik, wie sich die Zahl der Anschlaege insgesamt verhaelt? Denn Anschlaege wird es immer geben. Absolute Sicherheit gibt es nicht. Aber die Illusion bezahlen wir teuer in Gebuehren und Lebenszeit.
Nacktscanner heisst erstmal Nacktscanner
Es wird definitiv ein menschliches Auge im Spiel sein, dafür ist die Bandbreite an "bösen" Gegenständen viel zu groß. Dein restliches Gepäck wird schlieslich auch von einem Menschen überprüft.
Das künstliche Bein, die Intimpiercings, ... Du wirst damit körperlich so nackt gemacht, wie es die Vorratsdatenspeicherung mit deinem Kommunikationsverhalten macht.
Also um die Terahertzwellen würde ich mir am wenigstens Sorgen machen. In denen baden wir eh 24x7 und im Flieger selber bekommst du noch eine höhere Dosis Strahlung ab. Wir als Piraten sehen hier eher genau die umgekehrte Notwendigkeit gegeben: Wenn niemand schlüssig belegen kann, dass Nackscanner die Sicherheit essentiell erhöhen gibt es keinen Grund, weitere extrem teure Grundrechtseingriff hinzunehmen.
Das ist natürlich richtig ...
"Es wird definitiv ein menschliches Auge im Spiel sein, dafür ist die Bandbreite an "bösen" Gegenständen viel zu groß. Dein restliches Gepäck wird schlieslich auch von einem Menschen überprüft."
-- Gut. Das lässt zumindest vollautomatisierte Körperscanner unwahrscheinlich erscheinen.
"Das künstliche Bein, die Intimpiercings, ... "
-- An so etwas wie Intimpiercings hatte ich gar nicht gedacht. Da muss man dir natürlich vollkommen Recht geben, was die Privatsphäre angeht.
"Wir als Piraten sehen hier eher genau die umgekehrte Notwendigkeit gegeben: Wenn niemand schlüssig belegen kann, dass Nackscanner die Sicherheit essentiell erhöhen gibt es keinen Grund, weitere extrem teure Grundrechtseingriff hinzunehmen."
-- Sehe ich genauso. Mein Anliegen war es auch nur, noch ein mal deutlich zu machen, dass es sich in der Diskussion nicht mehr um die Körperscanner der ersten Generation handelt, welche den Menschlichen Körper komplett nackt zeigen, sondern "lediglich" intime nicht-organische Gegenstände.
Mir ist es wichtig, dass die Argumentation der Piraten nicht so einseitig und populistisch ist wie die von anderen Parteien. Daher sollte man auch die Unterschiede zu den alten Körperscannern (um welche es in der Diskussion gar nicht geht) aufzeigen und vor Allem nicht wie in diesem Post ein Bild, welches mit Hilfe eines alten Scanners entstanden ist, als Beispiel angeben, da es dem Leser ein übertriebenes und daher falsches Bild in den Kopf setzt.
Danke für die Aufklärung.
Cheers!
| Mir ist es wichtig, dass
| Mir ist es wichtig, dass die Argumentation der Piraten nicht so einseitig und populistisch ist wie die
| von anderen Parteien.
Eine Pressemitteilung als solche ist prinzipbedingt einseitig. Wenn wir einen komplett Artikel zum Thema Nacktscanner schreiben würden (es gibt bereits noch viele weitere Ideen), dann würde natürlich differenzierter vorgegangen werden.
| Daher sollte man auch die Unterschiede zu den alten Körperscannern (um welche es in der Diskussion gar
| nicht geht) aufzeigen und vor Allem nicht wie in diesem Post ein Bild, welches mit Hilfe eines alten Scanners
| entstanden ist, als Beispiel angeben, da es dem Leser ein übertriebenes und daher falsches Bild in den Kopf
| setzt.
Nun, wo sind sie denn, diese neuen Nacktscanner? Bisher gibt es nur viele warme Worten von Seiten der Regierung, dass die neue Generation alles vollautomatisch besser macht und die Intimsphäre schützt. Nur wie genau das gehen soll, wird verschwiegen. Und wieso ein Nacktscanner Sprengstoff entdeckt, der _im_ Körper getragen wird, ist auch wieder ein ganz anderes Thema...
> Also um die Terahertzwellen
> Also um die Terahertzwellen würde ich mir am wenigstens Sorgen machen
in genügend hohen Dosen soll davon die DNA zersägt werden. Dazu wird geforscht. Vielleicht fördert das Nacktscannen Krebs?
In den 50er, 60er Jhren gab es in jedem Schuhgeschäft ein Röntgengerät zum Füßedurchleuchten, dies wurde erst viele Jahre später wegen der Strahlenbelastung verboten.
Auch das Bewußtsein zur Strahlenbelastung beim Röntgen ist erst im Lauf der Jahre gestiegen.
Strahlenschutzkommission und das Bundesumweltministerium
WARNEN vor Gesundheitsrisiko bei Körperscannern. So viel zum Thema fehlende Langzeitstudien!
Ich werde mich vor den Sicherheitsbeamten nackt ausziehen, mich auf die gesundheitlichen Schäden berufen und am Scanner vorbeigehen. Das ist meine Form des Protests gegen den Realitätsverlust unserer Politiker!
Mitnahme von Flüssigkeiten ins Flugzeug
Das aktuelle Verbot der Mitnahme von Flüssigkeiten in Flugzeuge im Handgepäck ist absoluter Humbug. Solange Flaschen nach Medizin aussehen kann man sie jederzeit mitnehmen. Selbst diesen Sommer erlebt. Meine Medizin wurde auf einem Flug nach Teneriffa einfach durchgewunken und das war mehr als 100ml. Wenn das Flüssigsprengstoff gewesen wäre, dann hätte es richtig Bumm gemacht.