Dies ist eine Veröffentlichung in der Rubrik Piratengedanken.

Piratengedanken sind Berichte, Kommentare und Meinungen unserer Mitglieder. Diese Einzelmeinungen sind nicht zwangsläufig Parteimeinung!

Wenn Dir dieser Gedanke gefällt, klicke unten auf den Stern. Sobald er 10 Sterne hat, wird er auf der Startseite angezeigt.

TTIP-Demo-Banner

Von der Transparenz ins flammende Inferno. Der Weg der Piraten an die Macht

Ein Artikel von Matthias Tampe-Haverkock

Ahoi liebe Mitpiraten

Anlass für diesen Text waren zwei Bemerkungen der letzten Monate, die mir zu denken gaben. Die eine war ein zufällig aufgeschnappte Bemerkung einer Piratin aus einem anderen Bundesland:
„Alle wichtigen hessischen Piraten in Hessen treffen sich am Höchster Stammtisch“

Die andere Jürgen Erkmanns Einleitungssatz zu seiner Bewerbung als BUVO:
„Ich bin Pirat seit Februar - lange Pause - 2007“.

In beiden Bemerkungen kam meiner Ansicht nach etwas zur Sprache, was längst Fakt ist, aber bisher innerhalb der Partei nicht an geeigneter Stelle diskutiert wird.

Das ist die Tatsache, dass sich längst innerparteiliche Eliten, die auch als solche wahrgenommen werden und wahrgenommen werden wollen, herausgebildet haben,aber dass eben dieses Faktum in der Partei nicht ausreichend offen diskutiert wird und vor allem nicht demokratisch legitimiert ist.

Deshalb soll das Folgende auch  kein Vorwurf sein, sondern lediglich der Versuch einer Analyse.
 
Ich bin Mitglied der Piratenpartei geworden weil mich damals auf dem Gießener Seltersweg ein begeisteter junger Mann überzeugt hat, dass die Piraten eine Mitmachpartei seien und meine Stimme deshalb nicht länger ungehört bleiben werde. Ich könne mich mit meinen Positionen einbringen und die Politik in diesem Land verändern.
Das hat mich sehr beeindruckt, weil ich damals tatsächlich nicht mehr wusste, wen ich wählen sollte und aber zugleich wollte, dass sich die Politik in diesem Land ändern sollte. Den etablierten Parteien konnte ich nichts mehr abgewinnen.
So bin ich also das erste und letzte Mal in meinem Leben Parteimitglied geworden.
 
Nachdem ich Mitglied geworden war, kam die Initiation.Das war notwendig, weil sich viele Piraten der ersten Generation als digital natives verstehen und das Web 2.0  miterschaffen. Mir eröffnete das ein vollkommen neue Perspektive auf das Internet und ich war begeistert. Ich musste mir jetzt erst mal viele Fähigkeiten aneignen, von denen ich bis dahin nicht mal wusste, dass sie existieren. Und es handelt sich in der Tat um eine Initiation, denn es ist schlicht unmöglich innerhalb einer breiteren Parteiöffentlichkeit wahrgenommen zu werden, wenn man sich nicht auf die verschiedenen Kommmunikationskanäle einlässt.
 
Ich habe mich also auf verschiedenen Mailinglisten angemeldet, mir einen Facebook und einen Twitter-Account zugelegt, ich habe gelernt, was eine Telco ist und wie man an ihr teilnimmt und dass man sogar gleichzeitig an einem Piratenpad schreiben kann, ich habe bei Liquid Feedback mit gestimmt und mich gefreut, dass  fast alle Piratensitzungen gestreamt werden.Und ich habe schnell verstanden, dass all diesen Modellen eines gemeinsam ist: Der unbedingte Wille zur Transparenz
 
Was mir übrigens auch ziemlich schnell aufgefallen ist, dass auf den allen Kanälen häufig sehr viel unqualifiziertes Geschwätz stattfindet, dass teilweise sehr leichtfertig und respektlos miteinander umgegangen wird und die andauernde Kommunikation über die vielen Kanäle und das sich Äußern zu beinahe jedem Thema mir wie die aus der Medienlandschaft bekannte dauereregte Hysterie vorkam, jeder weiß irgendwas zu irgendeinem Thema, aber niemand ist wirklich informiert.
Vor allem aber kostet das Teilnehmen an den verschiedenen Transparenzkanälen sehr viel Zeit und ich habe mich bald gefragt, ob ich denn der Einzige bin, der noch was anderes zu tun hat. 
 
Trotzdem bin ich erst mal begeistert Pirat geworden. Nach kurzer Zeit konnte ich ohne mein Smartphone kaum noch aus dem Haus gehen, dauernd gab es etwas Wichtiges zu twittern, meine mails rief ich immer häufiger auch in den Abendstunden ab und all das fand ich zudem noch vollkommen cool, denn die Piraten, die ich kennenlernte machten das genauso. Ich fing bald an, auch während der Arbeit zu twittern, hatte bald Schwierigkeiten meinen Gesprächspartnern meine ungeteilte Aufmerksamkeit zuzuwenden und bei all dem fühlte ich mich immer bedeutender, denn auf meine mails und tweets wurde ja geantwortet, ich wurde zu einer innerhalb der Partei wahrgenommenen Person.
 
Im „real-life“, auch das Wort habe ich gelernt,  wurde ich zuerst zum regelmäßigen Besucher vom Gießener Stammtisch, begann Piratenpartei-T-Shirts in meiner Freizeit zu tragen, nahm an den Infoständen in Gießen teil und begann den größten Teil meiner Freizeit für die Parteiarbeit zu nutzen. Das führte dann auch bald zu einem Vorstandsposten in Gießen und nach der Kommunalwahl zu einem Sitz im Kreistag des Landkreises Gießen. Und dann kam sogar die Presse auf mich zu und ich konnte mein Bild  manchmal in der Zeitung oder meine Worte im Radio oder TV hören. Und ich begann Leute, die sich meiner Meinung nach, weniger als ich engagierten, als faul oder uninteressiert zu empfinden.
 
Während ich so immer mehr zu einem aufrechten Kämpfer für die Piratensache wurde, begann sich aber zugleich ein zunächst diffuses Gefühl einzustellen, dass  Gefühl, dass etwas nicht stimmte.
(Ein erster Auslöser war die Urlaubslektüre von  „Blödmaschinen“ von Metz und Seeßlen. (Ein Text, der zu komplex ist, um ihn hier vorzustellen, aber soviel sei gesagt, in mir wurden erhebliche Zweifel geweckt, ob das, was ich da trieb nicht ziemlich blöd wäre.)(Als erster Einstieg: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/1558394/)
Zudem war mir aufgefallen, dass man die meisten Transparenzkanäle ziemlich einfach manipulieren kann. Also etwa, die Tatsache, dass man, wenn man auf Twitter an mehreren Tagen hintereinander immer wieder ein paar kluge Anmerkungen macht, die Zahl der Follower recht schnell ansteigt und auch ebenso schnell fällt, wenn man ein paar dumme Sachen schreibt.)
 
Was mich aber endlich wirklich aufhorchen ließ, war die Tatsache, dass einige Piraten fast immer irgend etwas posten, also anscheinend immer an der Parteikommunikation teilnehmen. Sie scheinen in einem regelrechten Transparenzwettbewerb zu stehen. Sie sind fast immer online und haben immer etwas zu sagen. Sie sind, wie der Igel, schon immer da, wo der Hase noch hin will und das ist schlicht eine Folge ihres digitalen Lebensstils. Das führt in der Folge dazu, dass jeder Pirat diese Piraten bereits kennt, bevor er sie tatsächlich auf einem Parteitag kennen lernen kann und dann entsprechend froh ist seine Helden von twitter und der pph tatsächlich mal live erleben zu können. Diese Piraten sind schon lange Parteimitglieder und haben deshalb fast alle auch schon eine sehr lange und immer länger werdende Liste von Tätigkeiten in der Partei vorzuweisen. Zu Ihnen gehören mit Sicherheit die Leute in der Partei, die sich die meiste Arbeit machen und die am meisten Lebenszeit für die Partei verwenden. All das wäre erst mal nicht so ungewöhnlich, denn bekanntlich gibt es in jeder Organisation eine relativ kleine Gruppe von Leuten, die den Großteil der Arbeit machen, während viele andere nur weniger beitragen.
In der Piratenpartei ist es allerdings deshalb ein Problem, weil die Piratenpartei sich selbst als Mitmachpartei von anderen Parteien abgrenzt und die Bürger dazu auffordert sich einzubringen und verspricht, dass dieses  Mitmachen problemlos möglich sei. Genau das aber stimmt nicht, denn das Versprechen auf Chancengleichheit wird nicht länger eingelöst, weil immer schon welche da waren, die das Mitmachen schon früher und besser gemacht haben. 
 
Als Beispiel kann hier der Beginn von Jürgen Erkmanns Rede in Neumünster stehen. 
Er hat hier ja sehr deutlich sein früheres Eintrittsdatum als Ausweis seines Piratseins benannt, und das stimmt ja insofern, als er natürlich schon sehr viel mehr für die Partei geleistet hat als andere, es hat damit aber zugleich behauptet, das eben dieses mehr machen und länger dabei sein ein Qualifizierungsmerkmal innerhalb der Partei sei. (Und ja mir ist bekannt, das die Hessen nur die Übermacht der Berliner stutzen wollten, aber das ist hier nicht mein Thema.)
 
Damit sind wie bei der Gruppe von Piraten, die ich polemisch als Besserpiraten bezeichne. Ihr Vorhandensein ist meiner Meinung nach ein wichtiger Hinweis auf ein Problem, dass die Piratenpartei hat, ohne es als Problem zu erkennen und vor allem ohne zu verstehen, dass das Problem nicht bei den Personen sondern im Fehlen einer Struktur liegt.
Und in diesem Zusammenhang kommt dem aus der Physik übernommenen Begriff der Transparenz eine besondere Rolle zu.
Wie ich oben schon gezeigt habe ist Transparenz im Umgang der Piraten miteinander und mit dem Außen konstitutiv. Und man kann durchaus sagen, dass ein gewisser Wettbewerb herrscht möglichst transparent und möglichst wenig auf eigene Interessen bedacht zu sein und auch vor allem nach Innen so zu erscheinen.
Die von allen geforderte Transparenz wird zum äußeren Merkmal der richtigen Gesinnung des Parteimitglieds.
Es gibt sogar ein Wort dafür: Jemand ist piratig, oder hat eine piratige Haltung. 
 
Um Transparenz als modellhaftes Handeln in der Partei beherrschen zu können, müssen verschiedene Grundlagen gegeben sein. Zunächst die Bereitschaft und die intellektuelle Fähigkeit  sich in die verschiedenen Techniken einzuarbeiten und dann die Zeit diese Techniken zu benutzen.
Wer online ist, bekommt die wichtigen Diskussionen mit, antwortet rechtzeitig auf Anfragen, wirkt mit und gewinnt dadurch Anerkennung. Und wir Menschen tendieren dazu, die zu mögen, denen wir immer wieder begegnen.
 
Für die Piraten, die schon lange dabei sind, die digital natives, die erste Generation ist es vollkommen normal sich im Web 2.0 zu bewegen, für diese Gruppe von Piraten ist das Teil ihres Lebens. Trotzdem ist es natürlich so, sie damit die Tatsache, das man sich auf diese Weise vernetzt besser durchschauen als die Masse der Parteineulinge, die wir zunehmend haben. Es ist schlicht Professionalisierung. 
Wenn es nun aber um die Frage geht, wer Führungspositionen oder Mandate in Land-oder Bundestag für die Partei übernehmen kann, wird aus dem Spiel plötzlich gnadenloser Ernst. Und hier kommt etwas ins Spiel, was Max Weber am Beispiel der Calvinisten in der Zeit der Reformation beschrieben hat.
Der eigene Gnadenstand, also der Zustand der eigenen Nähe zu Gott, kann im Calvinismus vom Gläubigen zwar nicht länger durch Werke erlangt, aber durch ein gottgefälliges Leben nachgewiesen werden. 
Versteht man nun das transparente Leben und Arbeiten für die Partei als Piratenideal wird deutlich, warum Piraten permanent den Beweis erbringen, dass sie im Gnadenstand der Transparenz leben. (Julia Schramm mit ihrem postprivacy Modell  ist hier nur ein extremes Beispiel, aber sie ist auch an dieser Stelle so unbewusst wie konsequent) 
Twitter, Facebook und PPH sind nichts anderes als die modernen Äquivalente der religiösen Tagebücher im Calvinismus, die ja den doppelten Zweck hatten, dem Schreiber aber auch dem Leser den Gnadenstand des Schreibers anhand der aufgeführten Leistungen zu verdeutlichen. 
In dem Maße, in dem das Maß an gelebter Transparenz zum Ausweis der Position innerhalb der Partei wird, pervertiert die ursprüngliche Forderung des "klarmachen" zur  Tyrannei der Transparenz, die gar nichts mehr ändert, sondern nur noch das eigene Machtstreben verbirgt.
 
Wenn man erst einmal verstanden hat, das Transparenz  in den Zustand des Besserpiraten führt, kann es nicht mehr verwundern, dass auch die  Meinungsführerschaft ähnlich geklärt wird.
Wer eine Zeitlang auf der PPH oder auf Twitter mitliest, dem fällt auf, dass sich immer wieder ähnliche Dramen abspielen.
Jemand äußert ein Position oder stellt ein Thema und es folgt dann über einen mehr oder weniger langen Zeitraum eine mehr oder weniger erregte Diskussion, die in aller Regel mit der Feststellung einer gemeinsamen Position endet, manchmal auch mit der Feststellung, dass bestimmte Positionen nicht mit denen der Partei kompatibel seien. Auffällig ist auch hier, dass es auch hier die immer wieder die gleiche Gruppe von Piraten ist, die sich eines Themas annimmt und die durch ihr gemeinsames Verhandeln der Positionen und/oder dem Eindreschen auf die, die vermeintlich falsche Positionen vertreten, letztlich die parteiverbindliche Linie festlegt.
Und zugleich hört auch an dieser Stelle der Spaß auf. Denn es scheint immer nur die richtige oder die falsche Haltung zu geben. 
Als abweichend empfundene Haltungen werden ausgegrenzt, wobei hier interessanterweise gerade andere autoritäre Modelle am deutlichsten bekämpft werden, als richtig empfundene Handlungen werden verstärkt: Stichwort: "Flausch."
Das geht bei Twitter sogar soweit, dass die Zugehörigkeit zu einer Denk-Gruppe durch folgen oder entfolgen angezeigt und auch angedroht wird.
Statt also Offenheit für andere Positionen zu verlangen und darin Anregungen für das Hinterfragen der eigenen Modelle zu sehen, werden fleißig Empfehlungen ausgesprochen Leuten zu folgen, die das Gleiche denken und es wird sogar angefragt, warum man denn irgendjemandem mit der falschen Haltung folgt.
Und so geschieht es, dass die Besserpiraten, ohne es ursprünglich intendiert zu haben,  und obwohl sie nur eine relativ kleine Gruppe innerhalb der Piraten sind, die Parteimeinung festlegen, bei deren Festlegung selbst dominieren und sich zugleich selbst  als Meinungsführer installieren.
Da aber Zeit ein knappes Gut ist und es offensichtlich immer wieder die gleiche Gruppe von Piraten ist, die Zeit hat, kann man feststellen, das die gleiche Gruppe von Piraten auch noch fast alle Parteitage organisiert, dort die Versammlungsleitung bildet, dort die fast alle Reden hält, fast alle Anträge einbringt usw.
Und spätestens, wenn diese paar Piraten, die sich untereinander kennen, sich demnächst gegenseitig auf die Listenplätze gewählt haben und sie nach den Wahlen im Besitz aller Mandate  befinden werden ,sind sie nach außen und nach innen die Partei. 
(Dass die Berliner Piraten kürzlich die anderen Landtagsfraktionen eingeladen haben, um ihnen zu erklären, wie der Hase zu laufen hat wirft ein deutliches Schlaglicht. Nicht nur aus Igelperspektive.)
All das ist an für sich weder neu noch außergewöhnlich, es ist nur eben erst mal nicht demokratisch und vor allem ist es genau das, was immer passiert. Es ist nicht neu. Oder um es in Piratensprache zu sagen: Es ist 1.0
Ich unterstelle in diesem Zusammenhang niemandem Absicht. Meiner Ansicht nach ist das, was da gerade passiert nicht mal sonderlich überraschend, es ist die Folge einer Verleugnung.
 
Der Schlüssel zum Verständnis liegt wie so häufig in den sog. Nebensächlichkeiten und tatsächlich wirkt das regelmäßige Entgleisen der Teilnehmer der Mailinglisten ja zunächst einmal wie ein Ausrutschen. Tatsächlich ist es aber nur möglich, weil bei Twitter oder auf den Mailinglisten das fehlt, was jeden guten Server bei einem Onlinespiel ausmacht. Ein Administrator, der die Cheater oder Wüstlinge kickt und damit erzieht.
 
Es ist eine Tatsache, dass Kinder sich nur mit Hilfe sogenannter Resilienzen zu Erwachsen entwickeln können. Resilienzfaktoren sind „Eigenschaften, die das Kind in der Interaktion mit der Umwelt sowie durch die erfolgreiche Bewältigung von alterspezifischen Entwicklungsaufgaben im Verlauf erwirbt; die Faktoren haben bei der Bewältigung von Lebensaufgaben eine besondere Rolle“. (Wustmann, 2004, S. 46) http://www.resilienz-freiburg.de/resilienz/resilienzfaktoren.html]
Fehlen diese im wesentlichen durch andere Erwachsene bereitgestellte Strukturen werden die Kinder zwangsläufig auf die eine oder andere Weise verwahrlosen. 
 
Was das Fehlen von Resilienzen in der Entwicklung des Individuums ist, ist für die Entwicklung der Piraten die konstitutive Verleugnung der Notwendigkeit von dem institutionalisierten Machtstrukturen. (die sich zugleich längst ausgebildet haben, aber eben nicht offen)
 
Jede Form von Verantwortung wird als Übergriff wahrgenommen, während sich zeitgleich längst nicht demokratisch legitimierte Strukturen gebildet haben.
 
Ich will das, was uns gerade passiert, abschließend noch kurz mit William Goldings „Lord of the Flies“ illustrieren:
In seiner nur von Jungen bevölkerten Robinsonade zeigt Golding, wie sich eine Gruppe von Sechs- bis Zwölfjährigen verhält, die schlagartig von jedem Einfluss durch Erwachsene abgeschnitten ist. Zunächst von Kultur und Zivilisation geprägt, verhalten die Kinder sich mehr und mehr nach ihrem jeweiligen Charakter und es entwickelt sich ein gewalttätiger Konflikt, der schließlich zu Mord und Totschlag führt.
Genau das passiert zur Zeit bei den Piraten. Und zwar bis in die Details. 
Zunächst befinden sich die Piraten auf der Insel der Glückseligen, sie sind im Besitz der neuen Denke, der Befreiung der Wähler aus der Unmündigkeit, in die diese durch die bösen anderen Parteien gestürzt wurden. Die Wähler sind begeistert, die Hoffnung auf eine bessere Welt scheint auf. Oder bei Golding: Die anfängliche Beschreibung der Insel und des Sonnenlichts auf dem Wasser legt ein Paradies nahe, in dem die unschuldigen Kinder eine neue Chance bekommen.
In diesem ersten Stadium wollen sich die Piraten gegenseitig nichts tun, jeder Neue wird begeistert begrüßt. 
Im der Folge werden die Waffen geschärft, die Positionen werden geklärt.
In den entstehenden Kämpfen um die richtigen Positionen, wird Transparenz als Mittel und Waffe eingesetzt. Indem immer neue Termine entwickelt werden, wird der Teil der Piraten, der nicht flexibel sein kann oder will zunehmend ausgegrenzt. Die Ressource Zeit begünstigt die Jungen und Ungebundenen, diejenigen die nur Freunde innerhalb der Partei haben. Telkos werden schon mal am Ostermontag abgehalten, es wird erwartet, dass man sich dem Diktat der Transparenz unterwirft. 
Oder um mit Golding zu sprechen: Das Verhalten der einzelnen Überlebenden als Individuum und ihr Gruppenverhalten verwandelt die paradiesische Insel bald in ein höllisches Inferno.
Die anerzogene Friedfertigkeit  tritt  zunehmend hinter ein rohes Faustrecht zurück.  Obwohl fast alle Charaktere keine offensichtlich gewalttätigen Züge aufweisen entsteht in Konfliktmomenten eine gefährliche Gruppendynamik: einzelne Stimmen werden zu einem Stimmengewirr, die Menge wird logischen Argumenten mehr und mehr unzugänglich. Die Kinder spalten sich in zwei Gruppen, die Jäger und die Hüttenbauer, oder um in der Analogie zu bleiben, diejenigen, die gegen im Wesentlichen gegen irgendwas kämpfen wollen und sich damit stabilisieren und diejenigen, die die Partei durch konzentrierte Arbeit langfristig aufstellen wollen.
Die größere Gruppe der Überlebenden will sich allerdings bei Golding und auch bei uns in der Partei nicht den langwierigen, mühseligen Aufgaben des Hüttenbaus und des Signalfeuers stellen, also der Programmarbeit und der Überzeugungsarbeit auf Infoständen, sondern findet das Jagen scheint viel spannender, denn das bringt schnelle und direkte Resultate, so wie es etwa viel spannender ist gegen irgend etwas zu demonstrieren als sich mit komplexer Materie fundiert auseinanderzusetzen.
In der Folge kommt es im Buch zu Mord und Totschlag in der Partei sind wir gerade dabei. Der Konflikt im Buch eskaliert in einer gnadenlosen Hetzjagd auf den letzten Nichtjäger in deren Verlauf die Kinder die ganze Insel anzünden.
Am Ende kommt im Buch übrigens die Marine und rettet die Überlebenden. Bei den Piraten wird höchstens der Klabautermann kommen.
 
Was jetzt noch kommt:
 
Die große Masse der Parteimitglieder wird, wie bisher schon, nicht an den Parteitagen teilnehmen. Wir unterschätzen, wie leicht Menschen kränkbar sind, insbesondere unterschätzen wir, wie sehr Akademiker andere Menschen ausgrenzen, alleine durch Sprache, das muss man nicht mal wollen. Viele potentielle Interessenten an einer Veränderung der Gesellschaft haben bereits aufgegeben bzw. werden aufgeben, sobald sie merken, dass sie nicht wirklich erwünscht sind. Das ist ein Skandal und er wird aber von den Besserpiraten nicht skandalisiert, obwohl sie das Skandalieren bei jeder anderen Gelegenheit ausgiebigst zelebrieren. Die Abwesenheit der Mehrheit nützt ihnen nämlich, sie können sich im kleinen Kreis der bekannten Gesichter besser durchsetzen. Wenn aber, wie in Neumünster, bei einer 30.000 Mitgliederpartei nur 1500 abstimmen, also 5%, dann ist das nicht mehr demokratisch. Das ist lächerlich. Und es wäre unsere allererste Aufgabe als Partei genau das zu ändern.Wir werden aber zudem in der Folge die intelligenteren Leute verlieren und zwar sobald die mitkriegen, dass ihre Mitarbeit keine Früchte trägt. Und wir werden viele vollkommen erschöpfte Leute verlieren, auch hier wieder die diejenigen, die wissen, dass das Leben im real life stattfindet und der Mensch Schlaf, Liebe, Beziehung und Zeit braucht.
Nur die Besserpiraten werden gnadenlos durchhalten, bis sie an den Futtertrögen der Macht sind. Und dann werden sie über die finanziellen Mittel Verfügen, ihre innerparteiliche Meinungsführerschaft zu zementieren.
Ganz am Ende werden wir zu Recht auch die Wähler verlieren. Denn wir werden unser Versprechen nicht gehalten haben.
Und dieses Versprechen war die Teilhabe der Bevölkerung und nicht die Bildung einer neuen Partei.
 
Ich danke Euch für Eure Aufmerksamkeit
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 1 (3 Bewertungen)

Kommentare

Hallo Herr Praschak, ich habe

Hallo Herr Praschak,

ich habe Ihre Ausführungen gelesen und finde einige Bedenken von meiner Seite in Ihrem Text wieder. Die Frage ist nur wie kann es geändert werden? Ich in auch seit 2009 Pirat und bin aktiv im Kreisverband Hagen tätig. Ich habe mich auch lange gefragt wie sollen wir überhaupt etwas ändern? Momentan gibt es viel Gerede und kaum etwas Sinnvolles. Man kann die bestehende Politik leicht kritisieren, nur wenn man kritisiert und keine Antworten hat ist das alles nur Satire. Ich habe meine Antwort auf komunaler Ebene gefunden, wir haben in Hagen ein gutes Team und werden sicherlich in 2 Jahren bei der Wahl zum Stadtrat zuschlagen.

Aber nun zu Ihrem Text, es werden immer Leute da sein die versuchen werden die Piratenpartei als persönliches Sprungbrett zu benutzen. Unsere Aufgabe könnte es sein darauf hinzuweisen und gegebenen Falls die Mitglieder der Piratenpartei darauf aufmerksam zu machen. Dieses geklüngel hat schon längst angefangen und einige Leute haben vor lauter Fernsehauftritten schon aus den Augen verloren worum es eigentlich geht. Allerdings ist die große Frage wie soll man etwas ändern? Die Leute die sich fast aufreiben für die Partei sind vielleicht nicht immer die Richtigen für den Land- oder Bundestag.

Die Frage stellt sich immer, wie soll man feststellen ob jemand geeignet ist die Piratenpartei in der Öffentlichkeit zu vertreten, in einem kleinen Vorstellungstext oder bei der Vorstellung auf dem jeweiligen Parteitag kann man sich kein Bild machen. Man hat deshalb nur die Möglichkeit nachzusehen was hat die jeweilige Person schon für die Partei getan.

Ich sehe auch mit Bedauern wie Leute die schon in Ämter berufen wurden abheben und scheinbar mehr Wert auf einen guten Auftritt legen als auf inhaltliche Werte. Allerdings denke ich es wird nicht dazu kommen, dass einige Leute das Sagen haben und die Anderen dürfen nur noch zusehen und die Arbeit machen. Es wird so sein, dass wenn sich verschiedene Leute zu einem "Wir wissen alles Klub" zusammentun, ihnen schnell der Boden unter den Füßen entzogen wird. Genau dass ist die Aufgabe der Leute die gerne im Hintergrund die Arbeit der Piratenpartei erledigen. Man sollte allerdings auch daran denken das man es nicht allen recht machen kann.

Ich denke mir wir sollten als Mitglieder der Piratenpartei selbiger auch eine Chance geben aus gemachten Fehlern zu lernen und zu wachsen.
Mit freundlichen Grüßen
Günther Burbach

Der Weg der Piraten

Zwar bin ich (noch) kein Pirat aber halte die Ziele, die ich bisher von den Piraten gehört habe als erstebenswert. Einige, der hier gelesenen negativen Entwicklungen kann ich aber nachvollziehen und teilweise sogar schon erkennen. Als Außenstehender, der viele der elektronischen Möglichkeiten kennt und einige sogar intensiv nutzt schreckt mich allerdings die absolute Abhängigkeit vieler Tools eher ab in die Piratenpartei einzutreten. Wer nicht mumbled und nicht telcoed hat bei den Piraten ebensowenig mitspracherecht wie bei allen anderen Parteien auch. Deshalb beobachte und bewerte ich das Netz 2.0 "offline". Was ich dort bemerken muss enttäuscht mich allerdings an einigen Stellen.
Das völlig undemokratische hineinhieven von Norbert Römer in den NRW Landtag von der neuen MP H. Kraft beispielsweise wurde von den hiesigen Piraten sogar mit positiven Voting für Frau Kraft belohnt. Dies zeigt mir, dass schon jetzt starke Abstriche von den ursprünglichen Zielen der Piraten realisiert werden. Wenn ich mir dann die Entwicklung der Gruenen ansehe, was aus den Zielen der Umweltpartei mittlerweile geworden ist dann kann ich dem Fazit dieses Artikels nur zustimmen.
Es wird sicher viele interne Machtkämpfe geben und gegeben haben wie auch die zahlreichen Rücktritte in den vergangenen Wochen gezeigt haben. Aber wenn jetzt schon auf undemokratischem Vorgehen der etablierten Parteien mit Toleranz zum eigenen Vorteil reagiert wird, werden die Wahlerfolge recht schnell relativiert und auf einen kurzen Zeitraum beschränkt bleiben.
Jedenfalls fand ich den Artikel sehr informativ und bin gespannt auf die weitere Entwicklung.

Danke für diesen lesens- und

Danke für diesen lesens- und vor allem überdenkenswerten Text!!

Vieles von den aufgezeigten Problemen...

...habe ich so oder ähnlich in meiner kurzen Zugehörigkeit schon erlebt. Ich hoffe sehr, dass das Profilierungsbestreben einiger nicht allzugroßen Schaden am Immage unserer Partei anrichtet. Hoffentlich lesen viele diese Piratengedanken und ziehen die richtigen Schlüsse für ihr Verhalten. Don´t forget abaut, the base is watching you!

Kommentar und Korrektur in eigener Sache

Hallo Matthias,

bevor ich auf den Text als solches eingehe, eine kurze Korrektur und eine kleine Anmerkung zu dem von mir gesagten Satz, denn ich bin der Meinung, dass er für deine Argumentationskette vielleicht doch nicht geeignet ist.

Zunächst war meine Aufstellung nicht gegen die "Übermacht der Berliner" gerichtet, sondern explizit und das habe ich auch gesagt, eine Kampfkandidatur gegen Sebastian und Bernd (beides bekanntlich keine Berliner - naja, zumindest ersterer nicht), und damit vor allem eine Kampfansage an die Bildung von "Medienpräsenzköpfen", etwas, was bei dir vielleicht unter Besserpirat läuft. Zum Anderen ist dieser Satz der Einstieg für eine Bewerbung als Vorsitzender des Bundesvorstands und in diesem Kontext zu bewerten. Zumindest meine Erwartungshaltung ist, dass ein Kandidat für ein solches Amt sich schon ein paar Tage mehr in der Partei bewegt hat und auch idealerweise schon mal ein Vorstandsamt bekleidet hat, damit er zumindest ungefähr weiß, worauf er sich einlässt. Es war auch eine Reaktion auf viele Bewerbungen im Vorfeld, die diese Qualifikation (und ja es ist eine, aber seid wann lehnen wir Qualifikationen ab?) nicht im geringsten aufbrachten.

Wir haben ja schon kurz drüber gesprochen am Rande des Hessencampus und ich sehe es nicht als persönlichen Angriff, keine Sorge, aber eben auch nicht als gutes Beispiel/Argument für deine weiteren Ausführungen, da eben aus dem Zusammenhang gerissen und sich die damit verbundene Bewerbung gegen ein Phänomen gericht hat, dass du in Ansätzen ebenfalls beschreibst.

Ein wenig bin ich aber doch schockiert über deinen Text, denn er diskreditiert Menschen, die sich enorm für die Partei eingesetzt haben, auch schon zu Zeiten, als es noch nicht einmal absehbar "Futtertröge" gab, sondern man sich das Futter gefälligst mitzubringen hatte. Was sollen diese Parteimitglieder jetzt machen? - Weniger tun? Aufhören? Aber sich zumindest nicht für geeignet halten, parlamentarische Arbeit leisten zu können. Das ist wohl das Mindeste?!

Mich kotzen diese Unterstellungsdebatten an. Wo wir sonst um jeden froh waren, der einen Handschlag mehr machen konnte, vielleicht auch stillschweigend zugesehen haben, wie sich manche ausgebrannt haben, wird heute jede Aktivität mit dem Stigma der Absicht nach unlauteren Zielen belegt. Man könnte fast zu der Schlussfolgerung kommen, wir geben alle Mandate wieder zurück und teilen unsere Nichtteilnahme zu sämtlichen Wahlen mit.

Ein anderer Punkt und da bin ich wieder bedeutend näher bei dir, ist die Herausbildung von "Seilschaften". Ich denke zwar, dass du den Transparenzbegriff hier falsch anwendest, vielleicht sogar bewusst, nichts desto trotz müssen wir feststellen, dass es Cliquenbildungen innerhalb des LVs auf informeller Ebene gibt und das ist nicht nur der sogenannte "Höchster Stammtisch". Die Frage, wie wir damit umgehen, ist auch in meinen Augen durchaus berechtigt und wichtig. Die Forderung nach Moderation, als einer hierarchischen Lösung, halte ich jedoch für die Falsche und im Übrigen das Problem nicht wirklich angehende, es erscheint mir im Moment zumindest eher eine Art Sympthombekämpfung. Eine zündende Idee habe ich aber auch nicht, vor allem nicht, wie wir dieses Thema auf Dauer sachlich diskutieren können, denn betroffen ist auf die ein oder andere Art wohl fast jeder.

Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor. (Goethe, nur der Vollständigkeit halber)
Wie gehen wir also mit der erkannten Situation um? Die Standardantwort: thematisieren, scheint mir hier ein wenig kurz gegriffen, da absehbar ist, was dabei rauskommt, wenn wir dies "einfach mal den Löwen zum Frass vorwerfen".

Gruß
Juergen

Ahoi Matthias, Die beiden

Ahoi Matthias,

Die beiden einleitenden Sätzen sorgen leider dafür, dass der ganze folgende Artikel an Glaubwürdigkeit verliert, bilden sie doch die Grundhypothese für deine Überlegungen:

Anlass für diesen Text waren zwei Bemerkungen der letzten Monate, die mir zu denken gaben. Die eine war ein zufällig aufgeschnappte Bemerkung einer Piratin aus einem anderen Bundesland:
„Alle wichtigen hessischen Piraten in Hessen treffen sich am Höchster Stammtisch“

Die andere Jürgen Erkmanns Einleitungssatz zu seiner Bewerbung als BUVO:
„Ich bin Pirat seit Februar - lange Pause - 2007“.

In beiden Bemerkungen kam meiner Ansicht nach etwas zur Sprache, was längst Fakt ist, aber bisher innerhalb der Partei nicht an geeigneter Stelle diskutiert wird.

Das ist die Tatsache, dass sich längst innerparteiliche Eliten, die auch als solche wahrgenommen werden und wahrgenommen werden wollen, herausgebildet haben,aber dass eben dieses Faktum in der Partei nicht ausreichend offen diskutiert wird und vor allem nicht demokratisch legitimiert ist.

Der Stammtisch in Höchst ist ein Stammtisch, wie jeder andere auch. Jeder kann dort hingehen, essen, trinken, reden, sich wohlfühlen - oder auch nicht. Ok, da habe ich eine Annahme getroffen. Nämlich die, dass jeder Stammtisch so sei. Welche Elite genau sollte sich dort in Höchst treffen? Was genau für Dinge werden dort - vor den Augen der Öffentlichkeit - heimlich ausgemauschelt? Und vor allem: Wie werden die dort getroffenen Beschlüsse umgesetzt?

Juergen eröffnender Satz bei seiner Bewerbung war ein Satz, wie er im Lehrbuch stehen könnte. Er hat genau das auf die überspitzt, was bei vielen Bewerbungen viele Piraten dachten: Wie will jemand, der seit drei oder vier Monaten Parteimitglied ist, für fast 30.000 Parteimitglieder sprechen können? Woher weiss man, dass derjenige vertrauenswürdig und zuverlässig ist? Bei jemandem, der seit fünf Jahren Mitglied ist weiss man immerhin, dass er ausdauernd ist. Gleichzeitig war es aber auch ein sehr schöner Beweis dafür, wie sehr die Partei gewachsen ist. Es gab eine Zeit, da "musste" sich Juergen nicht vorstellen, denn alle Piraten im Raum kannten ihn.

Als nächstes verwechselst du Transparenz und Selbstdarstellung. Jemand der jeden Stuhlgang bei Twitter, Facebook oder sonst wo im Web dokumentiert, ist vieles, aber nicht transparent. Eher schon ein waschechter Vogone.

Ich finde es auch sehr bezeichnend, wie sehr du gegen Eliten und Seilschaften wetterst, dann aber diesen Text in einer Seilschaft bestehend aus Thumay (Vorsitzender LV Hessen),  André (Vorsitzender KV GG), Ralf (ehemaliger Stellvertretender Vorsitzender LV Hessen, ehemaliger Kreistagsabgeordneter) und dir (Stellvertretender Vorsitzender KV Gießen, Kreistagsabgeordneter) vorträgst. Das wirkt ein wenig so, wie wenn Gregory Gysi über Reiche schimpft...

Und wie passt der Anspruch, die restlichen 95 Prozent zu vertreten damit zusammen, dass die vier Slots von euch in dem Raum stattfanden der gestreamt wurde, wo doch die Mehrheit der Piraten, die nicht vor Ort war, lieber über die zahlreichen Finanzthemen reden wollte? Wo war da dein Aufschrei gegen die Besserpiraten, die sich über den Willen der nicht-anwesenden hinwegsetzen?

Bei der Zusammenfassungsrunde hast du gesagt, das wäre der schlechteste Text, den du bisher geschrieben hättest. Wieso hast du dann genau diesen für deine Darstellung als politisch korrekten Piraten verwendet?

 

Christian

Seilschaft?

Ahoi,
seit wann ist es eine Seilschaft, wenn Piraten alleine oder gemeinsam einen Vorschlag erarbeiten und diesen dann demokratisch zur Abstimmung stellen?

Kritik an dem Prozedere der Themenfindung und Raumverteilung gab es bereits im Vorfeld der Veranstaltung und sie hat sich ja bewahrheitet, was selbst Teile der Orga am Ende eingeräumt haben:
- Wo waren die vielen hunderte Piraten, die kommen wollten?
- Wieso war die thematische Präferenz quasi umgekehrt zur virtuellen?

Zusätzlich steht die Frage im Raum, wie du auf die Assoziation Besserpiraten = Vorstände kommst.

Fragen über Fragen ...

Grüsse
Ein Pirat

relativ

wer das an Stelle von dass schreibt, will sagen, dass jeder Nebensatz relativ ist. #erseingutermann

einige indizien, unklare schlüsse.

Du sprichst ein paar Dinge an, die immer klarer zu Tage treten, aber ich sehe deine Schlüsse nicht als zwingend an.

1. Es gibt Piraten, die bekannter als andere Piraten sind. Weil man sie kennt, kennt man ihre Positionen und den Charakter und ist bereit sie zu wählen oder ebend nicht.

2. Neumitglieder kennt fast niemand. Wen ich nicht kenne, kann ich schlecht in eine Position wählen, die im Zweifel dazu führt, das meine eigenen Positionen, für die ich diese Person wähle, ad absurdum geführt werden.

3. Neumitglieder (gerade in letzter Zeit) die direkt in Positionen drängen (also die von dir erwähnte Initiation nur streifen) sind oft Menschen mit Missionen, denen die Partei nur als Sprungbrett dient. Aber da auch hier 2. gilt, werden frühere Posten und ein längeres Überleben innerhalb der Partei als Anzeichen für parteikonforme Gesinnung angenommen.

4. Man kann nicht gleichzeitig alle zum mitmachen auffordern und parallel offizielle Machtstrukturen fordern. Strukturen dienen auch immer dazu breite Massen in enge Führungspositionen zu kanalisieren, dabei werden zwangsläufig auch Themen und Anliegen untergehen.

Ich halte es nicht für ungewöhnlich, das sich innerparteilich Gruppen bilden, gerade weil wir nicht mehr nur 'Datenschutz und Internet' fordern.
Es wird hart um Positionen gekämpft und hier gilt, wer am besten vernetzt ist, hat im Zweifel gewonnen. Deswegen wird doch auch von vielen lqfb so gefordert, weil es tendenziell Themen von Köpfen entkoppelt.
Offizielle Strukturen können uns helfen die einzelnen Mitglieder stärker einzubeziehen und dabei auch innerparteiliches Kennenlernen zu fördern.

Ich weiß nicht, ob das allen bewusst ist, aber momentan kann man Pirat werden, ohne jemals ein anderes Parteimitglied von Angesicht zu Angesicht begegnet zu sein.

Und natürlich muss man aufpassen. Aufpassen das nicht die Karrieristen oben landen und auch nicht, das man auf falsche Versprechen reinfällt.

Ein paar Anmerkungen zur Textform:
Es ist nicht zielführend Menschen in uniforme Gruppen einzuteilen. 'Die Berliner' magst du so wahrnehmen, wie andere 'die Bayern' aber das hilft nicht dabei differenzierte Ansätze zu entwickeln.
Akademiker ist keine inzestuöse Gruppenbezeichnung. Und die meisten wirst du nicht mal erkennen, wenn sie neben dir stehen und mit dir auf einem Bier über piratige Politik reden.
Ich habe schon Texte von akademikern gelesen, die wesentlich leichter verdaulich waren als deiner. Soviel zur Sprache.

Und Verzeihung, wenn ich dich falsch verstehe, aber dein Besserpirat klingt allzusehr nach Gutmensch. Wenn du Menschen nicht magst, belege sie bitte nicht mit Euphemismen.

Gegenmeinung

Ich fühle mich mal als Teil der Elite angesprochen, ob als hochaktives Mitglied, oder Stammgast des Höchster Stammtisches, sei mal  dahingestellt. 
 
Mir ist zwar nicht klar, wie jemand aus einem anderen LV das bewerten kann, ich kann es allerdings nachvollziehen. In Höchst sitzen eine Menge bekanntere Piraten. Wie kommt das? Ist doch klar, Frankfurt hat eine andere mediale Macht als das restliche Hessen. Eine Demo macht in Frankfurt mehr Sinn als in Neu-Anspach. Die  IMK-Demo, Weihnacht statt Angst, 3 ACTA-Demos, der BPT, alles in Frankfurt und Umgebung mit viel Beteiligung von Frankfurtern und Umgebung. Daraus resultiert natürlich ein gewisser Bekanntheitsgrad. Aber ist Bekanntheitsgrad denn auch gleich Elite? 
 
Weg von Höchst, hin zum restlichen Hessen. Wer das Geschehen der hessischen Piraten verfolgt, der weiß ganz genau, dass woanders ebenfalls hervorragende Arbeit geleistet wird. Ob in den Kreisverbänden, in Parlamenten, mit irgendwelchen Aktionen, überall passiert etwas. Oft bekommt man etwas mit aus Wiesbaden oder Kassel. Aber auch das sind  Städte, auch hier gibt es eher Medienberichte, die wir feiern. Und  anderes geht leider mittlerweile unter. 
 
Vor der Berlinwahl, vor dem Boom, haben wir uns parteiweit wie wahnsinnig gefreut, wenn wir  irgendwo einen kleinen Erfolg gehabt haben, in einem Kreisparlament ein Piratenantrag einstimmig angenommen wurde. Das ist leider nicht mehr der  Fall. Entweder bekommt das kaum noch jemand mit, oder es ist für viele mittlerweile nicht mehr interessant genug, denn das Ziel ist ja jetzt das ganz Große, der Bundestag. Das ist schade für viele, die gute Arbeit  machen, aber ich sehe jeden Piraten, der sich für das interessiert, was wir machen, auch in der Pflicht, sich zu informieren, was denn wo passiert. Wenn es viel Interesse an großen Aktionen gibt und der Rest unter den Tisch fällt, sind wir alle daran schuld. Deswegen sind  bekanntere Piraten aber noch lange keine Elite. Die von dir beschriebene  Meinungshoheit kann ich nicht erkennen. Jeder kann auf der Mailingliste in einer Diskussion sachlich seine Meinung darstellen und dann wird diese auch mit einbezogen, jeder von uns hat auch schon eine Menge blöder Sachen geschrieben und wurde auseinandergenommen. Keine Elite, niemand.
 
Wir waren die Mitmachpartei. Wir sind es auch immer noch. Ich gebe zu, es ist in einigen Bereichen schwerer geworden. Früher hatten die Aktiven noch einen Überblick über die ganze Partei, heute ist das alles viel zu groß, nicht jede Frage kann gleich beantwortet werden, nicht jeder kann nach 5 Minuten integriert werden. Wer aber zu uns kommt mit dem Willen, etwas zu verändern, der lässt sich nicht gleich abschrecken. Jeder kennt das aus seinem Leben, neu dazukommen bedarf manchmal etwas Zeit. Wer diese Bereitschaft nicht mitbringt, dem trauere ich auch nicht hinterher. 
 
Ich als Aktiver möchte, dass viel mehr Leute mitmachen. Wir alle möchten das. Sehr viele Leute bei uns, du hast es beschrieben, opfern enorm viel Freizeit für die Partei. Klar wünschen wir uns Entlastung bzw. mehr davon, um noch mehr zu reißen. Niemand verwehrt sich der Mitmachpartei. Im Zuge der Professionalisierung geht es aber nicht, dass jeder einfach irgendwo mitmachen kann. Zum Beispiel in der IT. Wir haben Bereiche, da müssen wir denen vertrauen, die das  machen, und wir tun es auch. Mitmachen bezieht sich für mich sowieso eher auf politische Teilhabe als auf jeden anderen Bereich. 
 
Ich persönlich bin jedoch trotzdem oft skeptisch gegenüber Neumitgliedern. Ich möchte, dass die Sachen an denen ich mitarbeite, gut gemacht werden. Und ich weiß, auf wen ich zählen kann. 
Ich möchte Neumitglieder keinem Gesinnungstest unterziehen oder  ihnen 100 Fragen stellen, aber ich muss sie kennenlernen und ein gewisses Vertrauen haben. Wir haben nunmal  Erfahrungen gemacht mit Neumitgliedern, die eloquent reden konnten, wir sie in ein Amt gewählt haben und enttäuscht wurden. Aaron König ist das  prominenteste Beispiel.  Und ja, es gibt auch Gegenbeispiele. Natürlich ist es jedem überlassen, wen er in Ämter oder auf Listen wählt, für mich gilt aber ganz klar: ich muss wissen wie diese Leute ticken. 
 
Zu oft lese  ich auf Mailinglisten oder höre auf Stammtischen, wie Neupiraten so  gar nicht mit Grundforderungen der Partei übereinstimmen. "Vorratsdatenspeicherung find ich ok, ich habe nichts zu verbergen" und viele ähnliche Dinge kommen leider viel zu oft vor in letzter Zeit. Überläufer aus anderen Parteien mit dem klaren Ziel, durch uns ein Mandat zu erringen, klar bin ich da skeptisch. Und andere auch. Da geht's aber nicht darum, dass die "Elite" sich um ihre Pfründe sorgt, sondern einfach skeptisch ist, weil es mittlerweile eine Zeitlang  dauert, bis man weiß, wie die Piraten so ticken. Insofern halte ich es  für normal, dass die Urpiraten, die sich noch ausschließlich um Kernthemen gekümmert haben, sich in großen Teilen wegen der programmatischen Öffnung ab 2009 gesorgt haben. Und diejenigen, die seit  dem Boom 2009 dabei sind und die Partei auch viel mit aufgebaut haben, skeptisch sind. Diejenigen, die viel Arbeit hineingesteckt haben, möchten sich das nicht kaputtmachen lassen. Wir alle freuen uns über motivierte neue Leute, wir wissen aber auch, dass wir einiges an Spinnern anziehen (viele Grüße an die AG Chemtrails). Meiner Meinung nach übertreibst du stark damit, dass wir keine Mitmachpartei mehr sind.
Wir sind nur etwas vorsichtiger geworden. Und "wir" meint nicht eine nichtvorhande Elite oder die aktiven Piraten, sondern den Großteil aller Piraten, die bei uns eingetreten sind, um etwas zu verändern oder uns mit ihrer Mitgliedschaft einfach nur dabei zu unterstützen. 
 
Elite klingt so, als hätten diejenigen viel mehr Macht. Und wenn aktiv und bekannt sein gleich Elite ist, frag ich mich schon, wo ist denn meine Macht? Oder die der anderen aktiven? Ich sehe das einfach nicht. Bei der Listenaufstellung haben bekanntere Piraten sicherlich einen Bonus. Aber was soll's? Von denen wissen wir, dass sie gute Arbeit machen, wenn davon welche in den Parlamenten sitzen, umso besser. Machen wir uns nichts vor, wir werden in Hessen nicht soviele Leute in die Parlamente bringen, dass der LV danach in Sachen Aktivität  beschädigt ist. Wir haben mittlerweile eine Menge tolle Leute in Hessen, die wahnsinnig viel Wert auf gemeinsames Arbeiten legen. Es liegt an den Piraten, diese Leute in die Parlamente zu wählen. Und ehrlich gesagt sehe ich in Hessen exakt niemanden, der als Abgeordneter versuchen würde, die Meinungshoheit über Parteikram zu erlangen. Trotz aller Querelen und Differenzen, die wir in Hessen haben, schaffen wir so gut wie alles, was wir uns vornehmen, und zwar immer gemeinsam. Persönliche Animositäten gibt es bei uns wie überall anders auch, trotzdem reißen wir uns zusammen und erledigen unsere Arbeit. Das ist etwas, was aus  meiner Sicht den LV Hessen stark auszeichnet. Deshalb sehe ich jedwedes Gerede von Elite als deutlich übertrieben an, wenn aber jemand unbedingt von Elite sprechen möchte, dann doch bitte vom Elite LV. 
 
Ich weiß, der Stammtisch Höchst war nur ein Zitat und es soll möglichst nicht darauf eingegangen werden. Muss ich trotzdem machen. Manchmal  fühlt sich dieser Stammtisch schon elitär an. Allerdings nicht aufgrund  parteiinterner Dinge, sondern weil dieser Stammtisch für mich ein Abbild dessen ist, wofür Piraten stehen und wie ich mir eine Gesellschaft in Teilen vorstelle. Wer noch nie dort war mag es kaum glauben, aber es ist ein unpolitischer Stammtisch und dient eher dem socialising. Wir zahlen nicht jeder extra, sondern gemeinsam in einen Pott. Wer knapp bei Kasse ist, kein Problem, wir sind viele und wir sind eine Gemeinschaft, zahlen die anderen eben etwas mehr. Irgendwann kommt das mal zurück und wenn nicht, ist es auch egal. Wir haben hauptsächlich viel Spaß dort, weil wir uns gut verstehen, und auch diejenigen, die nur selten kommen, fühlen sich bei uns sofort wohl. Das mag auch bei anderen Stammtischen so sein, gibt ja genug. Trotzdem hört man oft genug, ja ich war in Höchst, es war ein toller abend, da möchte ich öfter hin. Und nicht weil wir Elite sind. Sondern offene Menschen, offene Piraten. Oder auch einfach: Freunde.

Lieber Stefan, ich danke Dir

Lieber Stefan, ich danke Dir für Deine Kommentar.

Was Deine Beschreibung des hessischen LV betrifft gebe ich Dir Recht.
Deine Beschreibung des Höchster Stammtisches als einer Gruppe von Freunden und als eines guten Ortes klingt ebenfalls sehr schön, auch wenn ich denke, das Menschen immer politisch handeln, auch wenn sie nur gemütlich zusammensitzen. Ich wollte auch, wie ich jetzt schon häufiger gesagt habe, niemanden persönlich angreifen oder kränken. Mir ging es darum, zu verstehen, was da gerade passiert.
Und ich habe den Höchster Stammtisch nur deshalb als Beispiel gewählt, weil ich es sehr beeindruckend fand, dass Zusammenkünften von Parteimitgliedern, ohne dass diese es beabsichtigen, ein bestimmter Wert zugemessen werden kann. Hätte ich was über den Gießener Stammtisch gehört, dann hätte ich den als Beispiel genommen.
Meiner Ansicht nach läuft in unserer Partei gerade notwendigerweise ein Prozess ab, den jede Organisation bewältigen muss, wenn sie nicht scheitern will. Und gegenwärtig wird entschieden, wie dieser Prozess abläuft. Und das wird auch geschehen, wenn wir uns nicht darüber verständigen, es passiert einfach. Die Partei ist von einer relativ kleinen Gruppe zu einem großen und sehr undurchschaubaren Verband geworden. Und für mich geht es eigentlich im Wesentlichen um die Frage, ob wir uns jetzt diesem Prozess unreflektiert überlassen oder ob es nicht dringend notwendig ist, parteiintern über die Strukturen zu sprechen, die verhindern können, dass uns die Partei demnächst um die Ohren fliegt. Ich verstehe die Wahrnehmung einzelner Personen als Besserpiraten oder Eliten lediglich als eine aus unserem Strukturdefizit erwachsende menschliche Schwäche. Diese Zuschreibung ist die Folge des Wunsches nach Orientierung und findet andauernd statt und zwar positiv und negativ. Wenn wir da raus wollen, müssen wir meiner Ansicht nach in eine Strukturdebatte einsteigen und die Machtfrage offen statt verdeckt beantworten. Meiner Ansicht nach fügen wir uns auf vielen Ebenen gegenwärtig unnötigerweise Verletzungen zu, gerade weil wir uns weigern das "böse" Thema Macht offen auf die Agenda zu stellen.
Ich hoffe, das war jetzt verständlich.
Und um mir diese Anmerkung zu erlauben, ich habe Prozesse, wie sie gerade bei uns ablaufen schon mehrmals in anderen Zusammenhängen mitgemacht und jedesmal erlebt, das mit der Unklarheit immer Zerstörung einhergeht, dass man mit klaren Strukturen langfristig besser fährt, aber wie es Thomas Bernhard mal geschrieben hat: Mit der Klarheit nimmt die Kälte zu.

Professionalisierung?

Ob ihr's glaubt oder nicht: der Weg war im wesentlichen Vorgezeichnet, hat auch die Grünen ereilt, und Herbert Rusche hat sich ja schon ausführlich dazu geäußert, wie man das sieht, wenn man es zum zweiten Mal erlebt. Einen herzlichen Dank dafür übrigens.

Natürlich wird auch die Piratenpartei von Macht korrumpiert werden. Natürlich wird auch die Piratenpartei nichts daran ändern, dass "unsere Gesellschaft" nur "funktioniert", weil Andersdenkende mit Liebesentzug bestraft werden.

Ich finde es toll, dass Menschen, die Illusionen hatten über die Funktionsweise des politischen Systems der BRD sich freimütig dazu bekennen, dass sie Enttäuscht sind über die Realität dieses. Das legt den Grundstein für weitere Reflexion, und am Ende auch für bessere politische Strategie. Ich denke, das ist auch ein Zweck der Parteien.

Dass es diese "Besserpiraten" gibt, und dass kein Kraut dagegen gewachsen scheint, ist mir schon seit vor meinem Eintritt klar. Ich habe auch keine Lösung, ausser: lernen und es besser machen. Dummerweise scheint sich das Zeitfenster, tatsächlich etwas zu bewegen, bei der Piratenpartei schon längst wieder geschlossen zu haben. Die Agenda ist voll, über Urheberrecht und vielleicht so ein bißchen ESM hinaus wird nichts passieren. Ansage zahlloser Besserpiraten. Stichwort "Gruppe 42".

Jetzt bleibt eigentlich nur noch, sich zurückzulehnen und die Show zu genießen. Schön war's mit der Idee einer neuen Methode. Alter Wein in neuen Schläuchen würde ich es nennen. Und ich werde auch nochmal 30 Jahre darauf warten, dass wir über echte Probleme reden können.

Falsches mit Richtigem gemixt

Ja, es gibt Piraten, die sind präsenter als andere. Ja, es gibt Seilschaften, die sich gerne gegenseitig auf Posten und in Mandate hieven würden. Ja und? Wen das stört, der darf sich gerne an die eigene Nase fassen und fragen, was mache ich eigentlich? Wer anderen bereitwillig das Feld überlässt, braucht sich nicht zu wundern, wenn sie es besetzen. Jeder kann zum hessencampus, zum Lpt, zu Stammtischen und Ausschüssen gehen. Wenn nur 200 aktiv sind, werden die irgendwann mal zwangsläufig zur Elite. Wenn wir Seilschaften wirksam verhindern wollen, dann damit, mitzumachen. Piraten sind die mitmachpartei, nicht die mitmotzpartei. Deswegen bin ich dabei, viele andere auch.
Was nicht geht, ist, nirgends zu erscheinen, aber dann motzen, dass die, die da waren, was anderes entschieden haben. Wer ein Mandat will, soll zeigen, warum er oder sie das verdient haben, was einen geeigneten Kandidaten ausmacht. Nur mit Motzen allein ist es nicht getan.

Total normal

Diese Gruppenbildung und -Findung ist eine natürliche Entwicklung, so wie Wasser den Berg runter fließt. Also erstmal nicht zu ändern, sondern höchstens zu *moderieren* aber wie und von wem? Vielleicht muss ein Organisationspsychologie ran?

Dein Part zu Resilienzen finde ich weit hergeholt. Dafür ein m( Ne Zomieapokalypse gibts jederzeit und überall, 5 Tage ohne Strom reichen dafür aus.

Hier 2 Wikilinks und ein Buchtipp.

http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Gruppe#Organisationspsychologische_...

http://de.wikipedia.org/wiki/Organisationspsychologie

Lutz von Rosenstiel: Grundlagen der Organisationspsychologie (6. Aufl.). Stuttgart: Schäffer-Poeschel, 2007, ISBN 3-7910-2523-6 -- Inhaltsverzeichnis: http://tocs.ulb.tu-darmstadt.de/583080X.pdf

Ihr Artikel , Herr Matthias Tampe-Haverkock

Ahoi
Herzlichen Dank für die Ausbreitung Ihrer überaus nachvollziehbaren Gedanken zur Piratenpartei und dem möglicherweise auifkommenden Verhalten wie auch ich es aus der Geschichte; „Lord of the Flies“ die ich in meiner letzten oder vorletzeten Klasse der Realschule in Deutsch gelesen habe.
Genauso habe ich das auch erfahren und mich Anfang des Jahres 2012 aus der "aktiven" Arbeit für die Piraten in Kassel zurückgezogen. Gestern Abend war ich nach Langem mal wieder in einer Plenumssitzung und war "geschockt" wie weit das jetzt schon "gediegen" ist. Für mich zu erwarten, das sich die Grundlegenden Aussagen der Piratenpartei entweder bewahrheiten oder der "Gedanke" ganz aufgegeben wird. Aufgrund von aussagen ernstzunehmender Mitarbeiter in Kassel mache ich mir Gedanken zurückzukommen. Das ich damit eine mögliche Kariere in einer anderen großen deutschen Partei aufgeben muß, ist mir klar. Ich komme aber hier nicht aus Karieregründen. Ich sehe hier eher die Gefahr, wie sie, das einige große Gedanken der Piratenpartei veraten und verkauft werden. Die Piratenpartei könnte eine "Etablierte" werden. Dabei ist sie ein Hoffnungsträger für so viele Menschen.
mfg Thomas aus Kassel

Gute Analyse - falsche Schlüsse

Matthias, du sprichst in Deinem Blog viel Wahres an, ziehst aber meines Erachtens die falschen Schlüsse. Das Herausbilden von "Prominenz" oder "Meinungsführern" ist sehr menschlich und von dir gut dargestellt. Und es ist Aufgabe der Politik und insbesondere der Piraten das möglichst aufzubrechen. Es wird sich aber nie ganz vermeiden lassen. Man sollte auch nicht zwingend erwarten, dass jeder, der einer Partei beitritt sich in dieser aktiv einbringen möchte.

Trotzdem ich sehe es auch als Ziel der Piraten an, dass es keine Wissensvorsprünge gibt, dass es keine "Besserpiraten" gibt. Aber hier sind noch viele Schritte notwendig, z.B. kann eine höhere Beteiligung von Mitgliedern in der Partei letztlich nur erreicht werden, wenn das Parteiengesetz und die Wahlgesetze geändert werden. So könnte man z.B. Briefwahl für die innerparteiliche Willensbildung zu lassen, oder eine dezentrale, zeitlich versetze Abstimmung über Themen und Köpfe.

Die Gefahr, die ich aber zur Zeit sehe ist, dass die von Dir beobachteten Mechanismen zur Meinungsbildung bewusst von Interessensgruppen genutzt wird, die mit den Zielen der Partei nichts zu tun haben. Ja, ich unterscheide durchaus zwischen Gruppen, die sich herauskristallisieren, weil sie auch inhaltlich von der Masse der Parteimitglieder und den Zielen der Partei getragen werden und denen, die geschickt diese Prozesse nutzen um andere, eigene Ziele zu verfolgen. Denn eines hast Du auch richtig erkannt, die neuen Medien machen es letztlich einfacher solche Gruppen von "Besseren" zu formen. Langfristig muss vermieden werden, dass es überhaupt Wissensvorsprünge oder Meinungsführerschaften gibt, kurzfristig ist aber die Gefahr viel größer, dass Rattenfänger sich diese Prozesse zu Nutzen machen.

Wenn unsere Partei eine

Wenn unsere Partei eine etablierte Partei werden will wird sie sich mehr um die drängenden Probleme unserer Gesellschaft mit Taten und nicht Sprüchen kümmern müssen. Eine Gesellschaft die nur noch mit Schulden lebt und keine Veranlassung sieht sich um die Armen und unsere Kinder zu kümmern.
Solange es Piraten gibt die ACTA und Internet als die vorrangigsten
Probleme unserer Gesellschaft ansehen, sehe ich eine düstere Zukunft für uns Piraten.
Ich hatte mal gedacht das ich eine Partei gefunden habe die sich um die wirklich drängenden Fragen kümmert. Der Landesparteitatg hat mich eines besseren belehrt. Die Fragen der Schulbildung mit Anträgen die das Papier nicht wert waren worauf sie geschrieben waren. Ein erster Antrag hätte lauten müssen: Wir wollen unseren Kindern in Deutschland ermöglichen in jeder Schule die gleiche Bildung zu erhalten.Das geht leider nicht mit 17 Landesfürsten die jeder für sich das BESTE herausholen möchten.Das geht nur mit einer Bundeseinheitlichen Bildungspolitik.
Ach ja, und eigentlich stellt sich heraus das auch die Piraten die einheitliche Schuldenpolitik aller Parteien vertreten. Denn sonst sind die ehrgeizigen Ziele wie bedinungsloses Grundeinkommen nicht erreichbar. Ich wäre für Mindestlohn ( 10€), Reduzierung der Zeitarbeit auf drei Monate und Kappung des Beamtentums um mindestens 25%. Das sind Aspekte für die sich weite Teile der Bevölkerung erwärmen können.

Hmm, vielleicht sich vorher informieren sollen?

: Du hast jederzeit die Möglichkeit für Deine Positionen zu werben. Hast Du das denn gemacht? Die Piratenpartei ist eine Mitmach-Partei und wer das nicht tut, der braucht sich nicht zu wundern, wenn nichts passiert...

Ist wirklich interessant zu sehen, wie Du einerseits von "unserer Partei" sprichst und andererseits Grundpfeiler der Piratenpartei - Transparenz, Bürgerrechte, Demokratie - am Beispiel vom Kampf gegen ACTA und für die Freiheit des Internets ablehnst, sogar als schädlich darstellst...
Ich möchte Dir dringend nahe legen zu überprüfen, ob die Piraten wirklich "Deine" Partei ist oder Du Dich schlicht geirrt hast und entsprechend weiter suchst?!

4% und fallend. Gut so. Wer

4% und fallend. Gut so. Wer sich diese Diskussion und die bockige Selbstverliebtheit vieler Protagonisten zu Gemüte führt, weiss wohin die Reise geht. 3% sind schon 2 zu viel.

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.