Piratenkrippenspiel

Krippenspiel für 6 Personen (von der PPH Weihnachtsfeier 2009/2010)
 
Maria
Josef
Pikönig
Engel
Hirte/Basis
Erzähler
 
Prolog
 
Erzähler, auf der Seite der Bühne an einem Pult stehend:
 
Es war zu der Zeit, als König Schäublis das Land regierte. Er verfügte, dass sich jeder registrieren lassen müsse, auf dass er ihn immer wieder fände. Menschen strömten durchs Land, denn man musste sich diesen kleinen Chip in seinem Geburtsort abholen - dem Ort, an welchem auch die Fingerabdrücke gespeichert waren. 
Die Hauptpersonen dieser Geschichte - Maria und Josef - stammen aus dem kleinen Ort Frankenau im Kreise Waldeck-Frankenberg; dort, wo sich Schafe und Kühe gute Nacht sagen und sie hatten einen langen Weg aus dem entfernten Frankfurt hinter sich. Die Bahn fuhr mal wieder mit Verspätung und sie hatten ihren Anschlusszug verpasst. Auf Schusters Rappen erreichten sie dann völlig erschöpft das Städtchen Frankenau, wo sich unsere schwangere Maria endlich auf ein heißes Bad freute und Josef doch einfach nur das Länderspiel sehen wollte. Ah, ich sehe grade, da sind sie!
 
(Maria und Josef kommen auf die Bühne)
 
 
1. Szene (Stallsuche)
 
Maria: Ich kann nich mehr. 
 
Josef: Wir sind doch gleich da. Noch zwei Straßen... (dreht das GPS-Gerät in seiner Hand herum) (leiser) oder so...
 
Maria: Sind wir bald da?
 
Josef: Ja, gleich!
 
Maria: Jetzt?
 
Josef: Nein, gleich.
 
Maria: (quengelnd) Jeheetzt?
 
Josef: (lauter) NEIN.
 
Maria: Och menno *schmollt*
 
Josef: Jetzt gib halt mal Ruhe, damit ich uns'n Hotelzimmer reservieren kann... super!  HRS.de mit GPRS! Was'n Spaß!
 
Maria: Sag bloß, Du hast uns kein Zimmer reserviert?! Du weißt doch, dass alle zehn Waldeck-Frankenberger in diesen Tagen nach Frankenau reisen, um sich erkennungsdienstlich erfassen zu lassen! Wo sollen wir jetzt nur unterkommen?
 
Josef: Najaa.. da gäb's schon noch was. Kabelfernsehen werden die zwar nicht haben, aber da is direkt ne Sports Bar nebendran...
 
Maria: Wo auch immer - Hauptsache, ein warmes Bett...
 
Josef: 3-Sterne-Stall, mit Wellness! Und der Bauer weckt einen morgens sogar gratis.
 
Maria: Und ich wollte ein Spa. Ich bin doch schwanger, verdammt. Das war's, nun lass ich dich echt nich mehr ran.
 
Josef: Als ob du mich je schon mal rangelassen hast. Mich wundert's eh, dass du schwanger bist.
 
Jesus und Maria gehen von der Bühne.
 
 
2. Szene (Geburt)
 
Erzähler: So begab es sich, dass die beiden Verlobten eine Unterkunft in einem der prächtigsten Ställe Waldeck-Frankenbergs - wenn dann leider doch ohne Naßzelle und Zimmer-Service - ergattern konnten. Während Josef es sich in der nahegelegenen Sports Bar bei ein paar kühlen Blonden gut gehen ließ, zog Maria es vor, sich im Stall auszuruhen. Doch dann, plötzlich...
 
Maria sitzt auf dem Stuhl und bringt in einer dramatischen
Pantomimenszene Jesus (eine Puppe/Putzlappen/Verpackungsmaterial) auf die Welt.
 
Josef (stürmt herein): Arrrrr! So viel Blut! Maria! Da geht's im Afrika-Cup einmal in die Verlängerung und dann das! Was ist denn passiert?!
 
Maria : So schau doch, Josef, ein Baby...
 
Josef : Um Himmels Willen! So ein schreiendes, kackendes Lärmgerät? Wirf es schell weg!
 
Maria: Aber es ist doch meins und schau nur, ein Junge, wie süß.
 
Josef: Deins? Also bist du tatsächlich schwanger gewesen! Ich dachte, der Süßkram macht dich so dick! ...aber wie kannst du eigentlich... Samenraub?! Sprich, Weib, wer hat dir das Balg in den Unterleib gepflanzt?!
 
Maria: Oh Josef, nein! Unmöglich kann ich es sagen. Es muss ein Geheimnis bleiben.
 
Josef: Spuck es schon aus, wir brauchen Transparenz!
 
Maria: Es geht hier um Datenschutz und Privatsphäre!
 
Josef: Die wir auch in 2000 Jahren noch nicht haben werden, nun sag schon.
 
Maria: Niemals! Ich habe dem Spender mein Ehrenwort gegeben, seinen Namen nicht zu nennen!
 
Josef: Ich bin dein Verlobter, ich habe ein Recht, zu erfahren, wer der Spender ist. HERR GOTT NOCHMAL!
 
Maria: Na siehste, du weißt es doch schon.
 
 
3. Szene (Besuch des Dreikönigs)
 
Pikönig (kommt von hinten in die Szene gelaufen): Myrrhe! Myrrhe!
 
Pikönig: ARRRRR! Da ist es ja!
 
Josef: Was, wer bist du denn?
 
Pikönig: Ich bin Judikus Exekutivus Legislator, der Pi-König. Ich track diesen Racker nun schon seit neun Monaten, endlich hab ich euch. Eure Datenspur ist so auffällig wie ein Komet am Himmel.
 
Josef: Verdammt, sag bloß, du hast hier UMTS?! Aber sag, dann musst du es wissen! Wer ist nur der Vater?!
 
Pikönig (schaut in den Himmel): Hmm... vor drei Wochen Schäublis als
Follower geaddet... macht aber nicht schwanger... vor sechs Wochen die
SMS von Johannes dem Täufer... oh, die war nicht jugendfrei... doch da, ah, alles
läuft bei Tor zusammen!
 
Josef: Wer ist dieser Tor? Maria, was hast du mit diesem Tor getrieben?
 
Maria: Er kam halt über mich. Ich war gerade im Stall am Saubermachen... da kam der schöne Jüngling und fragte, warum da Stroh in der Ecke liege...
 
Pikönig: Pic or it didn't happen!
 
Josef: Aber wer ist denn jetzt dieser Tor?
 
Maria(ruft): Ach, was soll's... Tor ist Gott! So, jetzt weißt du es!
 
Josef: Arrrr, Gottes Sohn! Wirf ihn weg! Echt jetzt!
 
Maria: Niemals! Und außerdem - ich bin noch Jungfrau! (schnappt sich
Jesus und rennt davon)
(im Weglaufen) Ich bin Jungfrau, da gibt es Bilder von!
 
Pikönig: Shopped. Ich seh das an den Pixeln und ich hab in meiner Zeit schon einige Shops gesehen.
 
 
4. Szene (Vor dem Stall)
 
Erzähler: Während Maria nun durch die Gegend rannte und sich weiterhin einredete, Jungfrau zu sein, war der arme Schäfer vor dem Stall arg verstört. Wollte er doch nur schnell Wasser lassen, als er von lautem Getöse aus dem Stall iritiert wurde
 
Schäfer: Mensch, die machen einen Krach da drinnen... Scheiß Touristen! Manch einer muss morgen früh raus!
 
Erzähler: Während der Schäfer noch abschüttelte, tat sich indes Wundersames vor dem Stall in Frankenau. Ein Engel erschien und er wandte sich an den Schäfer.
 
Engel: Fürchte dich nicht, Schäfer. Und schüttel ruhig erst fertig ab. 
 
Schäfer: Wer bist denn du?
 
Engel: Ich bin ein Engel des Herrn. Und ich bringe frohe Kunde!
 
Schäfer. Ah, hat er wieder was beschlossen und keinen vorher gefragt? Das hab ich ja gerne. Arbeiten darf man für den, aber NIX mitentscheiden. 
 
Engel: Hey, es ist nicht alles schlecht, was der so macht. Und es ist doch alles auch nur in deinem Sinne.
 
Schäfer: Is mir egal, wie toll des alles is. ICH will gefragt werden. Da gab's doch mit Sicherheit nicht mal ne Doodle-Umfrage zu!
 
Engel (seufzend): Darf ich jetzt mal hier verkünden?
 
Schäfer (pampig): Mach du nur. Ich kann da ja eh nix gegen machen.
 
Engel: Ich bringe frohe Botschaft! Es ist der Sohn des Herren geboren, just in diesem Stalle hier. Er, der Heiland, der euch Menschen retten wird.
 
Schäfer: Is klar, dem Schäublis seine Mätresse, die... ach, wie hieß sie gleich? Von der Leine oder so, die hat das auch schon gesagt. Was hat es uns gebracht? Nichts, nur Ärger. Von der Leine hat er sie gelassen und ganz von der Rolle war sie dann. 
Ist das eigentlich ein Entwurf von der AG Seelenheil oder hat das der Vorstand wieder im Alleingang entschieden?
 
Engel: Ääh, nun... manchmal muss der Vorstand halt auch Nägel mit Köpfen machen. Operatives Geschäft und so... verstehst du?
 
Schäfer: Nee, das geht gar nicht! Ich werd das boykottieren, euch vor das Jüngste Schiedsgericht stellen und meinem Glauben abschwören. Alles gleichzeitig! Aber wenn der Heiland jetzt schon mal da ist, kann ich ihn mir so lang ja mal unverbindlich anschauen - wir haben doch ne Testphase auf kleiner Ebene drinne, oder? Nicht, dass er nachher allen das Seelenheil bringt, das muss schon double-opt-in sein. 
 
Erzähler: Und so geschah es, dass der Schäfer mürrisch den 3-Sterne-Stall betrat, in dem der Heiland grade frisch implementiert - ääh - geboren worden war. Maria und Joseph hatten sich drauf geeinigt, des anderen Privatsphäre zu respektieren und die totale Transparenz nur von ihrem Sohn zu fordern. Der Pikönig hatte sichtlich Spaß mit seinen Myrrhezigaretten und auch der Schäfer machte "guti guti gu". Sie feierten noch die ganze Nacht und träumten ein wenig von einer Welt in Freiheit. Nebenher lobpreisten sie das Jesuskind. Die Fotos, die sie von dem Jesuskind machten, sollte ihnen noch Probleme bereiten, denn bald waren sie auf Steckbriefen gedruckt. Das aber ist eine andere Geschichte, die ICH euch nicht erzählen werde. Zusammenfassend lässt sich sagen: Alle lebten glücklich bis zum Ende ihrer Zeit... nur, was mit dem Schäfer passieren soll, das müsst ihr entscheiden.
 
Vorhang!
Applaus!
 
5
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (1 Bewertung)