TTIP-Demo-Banner

Rückblick zum Drohnen-Chaos um den „Euro Hawk“

Global-Hawk-Drohne der NASA

Ein Artikel von Axel Schwenk

Im August 2004 entscheidet die Rot-Grüne Bundesregierung den in die Jahre gekommenen Aufklärungsflieger „Brequet Atlantic“ durch neue Technik zu ersetzen. Diese soll Funksignale und Kommunikation am Boden besser überwachen können. Als Träger der Aufklärungstechnik entscheiden sich die Experten der Truppe für die erprobte US-Drohne "Global Hawk" der Rüstungsschmiede Northrop Group, die in Europa mit Technik bestückt werden und dann für die Bundeswehr in den Einsatz gehen soll. Erste Gespräche mit der US- Rüstungsindustrie beginnen. Diese dürften von damaligen Verteidigungsminister Peter Struck eingeleitet worden sein.

Unter der Schwarz-Roten Regierung mit dem Minister für Verteidigung Franz Josef Jung wird die „Erneuerung der Bundeswehr“ forciert. Mit Zustimmung des Bundestags schließt die Bundeswehr einen Vertrag mit der "Euro Hawk GmbH" in Immenstaad, die ein Demonstrationsobjekt bauen und mit der Sensor-Technik bestücken soll. Hinter der Technikentwicklung steht das Konsortium "Cassidian", die Bundeswehr nennt die zu entwickelnden Sensoren für die Drohne "ein Spitzenprodukt deutscher Wehrtechnik". Im Juni 2009 stimmt der Bundestag dem Beginn des Projekts zu, dazu soll für rund 500 Millionen Euro ein Testmodell des "Euro Hawk" in den USA erworben und dann in Europa mit der Sensortechnik ausgestattet werden. Etwa die Hälfte des Budgets ist für den Kauf der Drohne selber veranschlagt, die andere Hälfte für die Technik. Grundsätzlich beabsichtigt die Bundeswehr den Kauf von fünf "Euro Hawk"-Drohnen für ein Gesamtbudget von rund 1,2 Milliarden Euro.

Warum wichtige Systeme wie Transponder und Flugausweichsysteme in der „Europäischen Version“ nicht installiert wurden, ist sehr fragwürdig. Die vorgenannte Sensortechnik hat mit Flugeigenschaften oder Flugsicherheit nichts zu tun.

In den ersten Prototypen des „Global Hawk“ waren diese Flugsicherheitssysteme unverzichtbar. Denn es wurden strenge Regeln der Bauvorschriften für Verkehrsflugzeuge ausgelegt.

Der „Euro Hawk“ wurde für die Bundeswehr im Juli 2011 in den USA hergestellt und getestet. Mittlerweile gibt es eine Schwarz-Gelbe Bundesregierung. Im Verteidigungsministerium bahnt sich ein Wechsel von Karl-Theodor zu Guttenberg zu Thomas de Maiziere an. Es treten die ersten Probleme zur weltweiten Nutzung in den verschiedenen Lufträumen auf. Als die Drohne von den USA nach Deutschland fliegen soll, hat sie nur eine vorläufige Zulassung für den deutschen Luftraum und muss in den USA große Umwege fliegen, um für sie gesperrte Lufträume zu überfliegen. Im Wehrressort erkennt man intern das "fundamentale Problem" mit der Zulassung für den europäischen Luftraum.

Am 11. Januar 2012 geht das Testmodell der Drohne in Deutschland erstmals auf Probeflug, damals nur mit einer vorläufigen Zulassung. Für den Start und den Spiralflug auf die Flughöhe von 15.000 Metern muss der gesamte Luftraum für den Testbereich kurzzeitig gesperrt werden.

Im Juni 2012 muss die Bundeswehr nach Presseberichten einräumen, dass es beim Projekt "Euro Hawk" Probleme gibt und die Einsatzbereitschaft der Mega-Drohne mindestens um ein Jahr verschoben werden muss.

Ende März 2013 erfährt der Bundestag erstmals von ernsten Problemen bei dem deutschen Drohnen-Projekt. Nach konkreter Nachfrage des SPD-Abgeordneten Hans-Peter Bartels räumt das Ministerium ein, dass man mit "nicht unerheblichen Mehrkosten" für die luftverkehrsrechtliche Zulassung der Drohne rechne. Schon damals heißt es, die Mehrkosten könnten sich auf mehr als 500 Millionen Euro belaufen, zudem würde die Zulassung Jahre in Anspruch nehmen.

Das Ministerium gesteht am 21. April 2013 ein, dass das Projekt vor dem Aus steht. Staatssekretär Thomas Kossendey schreibt erstmals, die Beschaffung der Drohnen werde "kritisch geprüft". Insider rechnen schon zu diesem Zeitpunkt damit, dass die Bundeswehr die Entwicklung des Daten-Staubsaugers bald einstellen wird.

In vertraulicher Sitzung des Verteidigungsausschusses am 24. April 2013 berichtet die Bundeswehr von massiven Problemen bei der Zulassung und beschuldigt die US-Industrie, die im Kaufvertrag zugesicherte Dokumentation der Drohnentechnik für die Zertifizierung in Deutschland nicht geliefert zu haben. Statt Mehrkosten von 500 Millionen Euro ist nun sogar von möglicherweise 800 Millionen für eine nachträgliche Zulassung die Rede.

Zum 10. Mai 2013 entscheidet man im Ministerium von Thomas de Maizière sich zum endgültigen Stopp des Projekts, der Bundestag wird aber zunächst nicht informiert. Eine Ausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 13. Mai 2013 widmet sich dem Debakel um die "Euro Hawk"-Drohne an prominenter Stelle. Das Blatt spekuliert, das Ministerium könnte das Projekt schon bald einstellen und zitiert die bekannten Probleme bei der Zulassung für den deutschen und europäischen Luftraum.

Tags darauf am 14. Mai 2013 verlautet aus Regierungskreisen nach dem Erscheinen des "FAZ"-Artikels, dass das "Euro Hawk"-Projekt auf Eis gelegt worden sei. Demnach seien aber nur rund 270 Millionen des Gesamtbudgets verloren, diese seien für das Testmodell bezahlt worden. Die für rund 250 Millionen Euro entwickelte Sensortechnik sei aber trotzdem noch für die Bundeswehr nutzbar.

Am 15. Mai 2013 informiert Staatssekretär Beemelmanns den Bundestag über die Beendigung des "Euro Hawk"-Projekts.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 1 (286 Bewertungen)

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.