Bundesparteitag in Bingen: Viel Licht, aber auch ein wenig Schatten

Abstimmung in BingenMit sehr enger Bestuhlung gelang es dem Organisationsteam, über 1.000 Piraten sowie nationale und internationale Gäste und zahlreiche Vertreter der Presse in der ehemaligen Wagenausbesserungshalle in Bingen unterzubringen. Während im hinteren Bereich der Halle verschiedene Infostände aufgebaut worden waren, fand im vorderen Teil das größte Piraten-Treffen aller Zeiten statt. Direkt vor der großen Glasfront lag träge dahin fließend der Rhein, umrahmt von malerischen Weinbergen und dem "Mäuseturm."


Leider zog sich die Kandidatenvorstellung für die Bundesvorstandsämter ebenfalls sehr träge in die Länge. Oft wurde Fragen an jeden einzelnen Kandidaten gestellt. Dies hätte sehr gut im Vorfeld z.B. über den BVor-O-Mat erfolgen können. Dennoch gab dies ausreichend Möglichkeit, die Kandidaten im echten Leben beim Beantworten schwieriger Fragen zu erleben.

 

Mit zwei Mikrophonen im Mittelgang waren zumindest im vorderen Teil der Halle die Wege recht kurz, wer hinten saß musste allerdings ein paar Meter länger laufen. Was aber in Anbetracht der zahlreichen Fragesteller nicht sehr ins Gewicht fiel, die meiste Zeit verbrachten die Redner dann in der Warteschlange. Dadurch, dass es insgesamt 23 Wahlurnen gab, konnten immerhin die nötigen geheimen Wahlen sehr schnell durchgeführt werden. Sowohl Jens Seipenbusch als auch Andi Popp und Bernd Schlömer wurden auf ihren Posten als Vorsitzender, Stellvertretender Vorsitzender und als Schatzmeister bestätigt. Als Beisitzer wurden Benjamin Stöcker (28, Diplom Informatiker), Christopher Lauer (25, Student), Daniel Flachshaar (34, Doktorand der Biochemie) und Wolfgang Dudda (52, Ermittlungsbeamter) gewählt.

Durch eine strikte Einhaltung der Redezeitbegrenzung durch die Versammlungsleiter wurden sowohl Fragesteller als auch Beantworter immer wieder unterbrochen. Nur somit konnte ein vollständiges Ausufern der Vorstellungsrunden vermieden werden. Bei den Fragrunden - nicht nur an die Kandidaten sondern auch bei den wenigen Anträgen, die behandelt wurden, zeigte sich leider, dass sehr viele Piraten unvorbereitet zum Bundesparteitag gekommen waren. Trotzdem gelang es, einige sehr wichtige Entscheidungen zu treffen.

Die Piratenpartei Deutschland ist nun offiziell Mitglied der Pirate Parties International. Unter den Augen der internationalen Gäste stimmten die deutschen Piraten dem Beitritt zu. Die Jungen Piraten wurden als offizielle Jugendorganisation der Piratenpartei anerkannt. Sozusagen als "Dank" dafür, übergaben die anwesenden JuPis dem wiedergewählten Bundesschatzmeister Bernd Schlömer einen Scheck über 914 Euro, und tilgten somit das ihnen von der Piratenpartei gestellte Darlehen vollständig. Weiterhin wurde der bundesweite Betrieb der Software "Liquid Feedback" beschlossen und der weltweite Start der Operation Stopp Acta verkündet.

Auch außerhalb der Halle zeigte sich eine solide Planung. Die Wegen bis zu den Parkplätzen waren in 10-15 Minuten zu Fuß zu bewältigen und Shuttlebusse sorgten dafür, dass bis drei Uhr Morgens die anwesenden Piraten ihre Betten erreichen konnten.

Alles in allem erfüllte der Bundesparteitag die Erwartungen der anwesenden Piraten, was sich in tosendem Applaus beim Schließen der Veranstaltung hören ließ. Es wurde zwar mehrheitlich bedauert, dass die Arbeit an Parteiprogramm und Satzung praktisch nicht erfolgt war, hier soll aber ein weiterer Parteitag bald Abhilfe schaffen.

 

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